Die Nachrichten aus Ungarn nehmen Fahrt auf – und das nicht nur in der politischen Arena, sondern auch in der Wirtschaft. Der neue Ministerpräsident Péter Magyar hat die Herausforderung angenommen, die von Viktor Orbán hinterlassenen Spuren zu beseitigen. Die Flagge der Europäischen Union, die über dem Parlament mehr als ein Jahrzehnt nicht gehisst war, wird bald wieder wehen. Ein Zeichen für den geplanten Kurswechsel, den sich viele erhoffen.
Andreas Brandstetter, der Chef von UNIQA, blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Er hofft, dass die Sondersteuern, die ausländische Unternehmen in Ungarn erdrücken, bald der Vergangenheit angehören. Magyar könnte die nötigen Reformen einleiten, um das Land wieder auf den europäischen Weg zu bringen. Schließlich ist Ungarn nicht nur ein Kernmarkt für UNIQA, sondern hat sich in den letzten Jahren auch gut entwickelt. Mit über 330 Millionen Euro Prämien im vergangenen Jahr ist die Versicherungslandschaft dort alles andere als unbedeutend.
Ein neuer Wind weht in Ungarn
Magyar, der mit seiner Tisza-Partei eine beeindruckende Zweidrittelmehrheit im Parlament hat, steht unter Druck. Um die 18 Milliarden Euro EU-Gelder, die aufgrund von Orbáns Machtmissbrauch eingefroren sind, freizuschalten, muss er schnell handeln. Die Europäische Kommission hat kein Erbarmen gezeigt, und die Zeit drängt. In weniger als vier Monaten müssen Gesetze verabschiedet und der Rechtsstaat wiederhergestellt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass Orbán ein System des Machtmissbrauchs etabliert hat, das tief in die Strukturen des Landes eingedrungen ist.
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Die ungarische Wirtschaft stagniert seit Jahren, und das BIP-Wachstum war im Jahr 2025 mit 0,3 Prozent alles andere als berauschend. Hinzu kommt, dass die Industrieproduktion seit über zwei Jahren zurückgeht, was vor allem an einer schwachen Auslandsnachfrage liegt. Brandstetter sagt, Geduld sei gefragt – und das aus gutem Grund. Die ungarische Budgetsituation lässt kaum Spielraum für große Sprünge.
Die Herausforderungen der Zukunft
Ein weiterer Aspekt, der im Raum steht, ist der Iran-Krieg. Obwohl UNIQA kaum direkte Auswirkungen spürt, bleibt die Unsicherheit über die gesamtwirtschaftlichen Folgen bestehen. Brandstetter spricht von einem „trügerischen Erholungspause“ und sieht große Themen wie den Klimawandel und die Künstliche Intelligenz am Horizont. Außerdem hat er im ersten Quartal eine Gewinnsteigerung von 14,4 % auf 2,8 Milliarden Euro verzeichnet, was nicht unbeachtet bleiben sollte. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt – optimistische Nachrichten in unsicheren Zeiten.
Die kommenden Wochen und Monate werden entscheidend für Ungarn und die darin tätigen Unternehmen sein. Magyar hat das klare Ziel, Ungarn als verlässlichen Partner in der EU zu positionieren. Doch die Herausforderungen sind groß, und die Augen der internationalen Gemeinschaft sind auf ihn gerichtet. Wird es ihm gelingen, die eingefrorenen EU-Gelder freizugeben und das Land auf den Kurs der Zusammenarbeit und Stabilität zurückzuführen? Die Zeit wird es zeigen.
