Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) steht vor einem gewaltigen Umbruch – und das nicht ohne Grund. Am Dienstag kündigte die Präsidentin, Martha Schultz, an, dass 200 von insgesamt 800 Jobs in der WKÖ gestrichen werden sollen. Das klingt nach einer schmerzlichen, aber notwendigen Maßnahme, um die Organisation zukunftsfähig zu machen. Die Freiheitlichen, Grünen und Liberalen (Unos) unterstützen diese Entscheidung zwar, fordern aber gleichzeitig weitere Einsparungen und Maßnahmen. Ein gewisses Maß an Unruhe breitet sich aus, denn die Betriebsräte wurden bereits am Montag informiert, und eine Betriebsversammlung steht für Mittwochvormittag auf dem Plan.
Der Stellenabbau wird im zweiten Halbjahr beginnen – aber keine Panik, das soll sozialverträglich geschehen. Die WKÖ plant, den Betriebsrat in die Erstellung eines Sozialplans einzubinden, auch wenn dessen Zustimmung nicht zwingend erforderlich ist. Ein bisschen schockierend ist die Tatsache, dass die direkten Dienstnehmer keiner Kollektivvertrag-Deckung unterliegen. Matthias Krenn, der Kopf der Freiheitlichen in der WKÖ, hat den Mitarbeiterabbau bereits als „angemessen“ bezeichnet, um die Mitglieder zu entlasten. Klingt fast schon nach einem Sparprogramm, das notwendig ist, um die Kassen zu füllen – die Gesamteinnahmen der WKÖ belaufen sich immerhin auf über 1,3 Milliarden Euro.
Strukturen unter der Lupe
Die Grünen-Vorsitzende Sabine Jungwirth hat ebenfalls einen eigenen Vorschlag parat: eine Verschlankung der Strukturen bei Fachorganisationen und Branchengremien, die ein Kostenreduktionspotenzial von bis zu 175 Millionen Euro aufzeigen könnte. Das klingt nach einem ordentlich großen Sparschwein! Unos-Bundessprecher Michael Bernhard geht sogar so weit, die gesamte Organisation auf den Prüfstand zu stellen und auch in den Landeskammern Personal abzubauen. Bis Ende 2027 sollen dort ebenfalls jeden vierten Arbeitsplatz sozialverträglich eingespart werden. Das ist schon eine Ansage und zeigt, dass die WKÖ nicht nur in der Bundesorganisation, sondern auch auf regionaler Ebene aktiv wird.
Die bereits angekündigten Einsparungen von 100 Millionen Euro betreffen hauptsächlich die Kammerumlage 2 (KU2), was vor allem für Einpersonenunternehmen keine Entlastung mit sich bringt. Das ist ein Punkt, der bei vielen Selbstständigen sicher für Stirnrunzeln sorgt. Viele von ihnen haben bereits genug mit den Herausforderungen des Marktes zu kämpfen.
Ein schrittweiser Prozess
Der Personalabbau, so heißt es, soll schrittweise und in Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgen. Martha Schultz betont die Notwendigkeit einer modernen Interessenvertretung, die den Mitgliedern auch in Zukunft gerecht wird. Neben dem Personalabbau sind auch strukturelle Veränderungen geplant. Leistungen sollen gebündelt, integriert oder gar eingestellt werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Mitglieder auf diese Maßnahmen reagieren werden.
Ein weiterer Punkt, der nicht unerwähnt bleiben sollte: Die Funktion der Generalsekretärin wird nach dem Wechsel von Eva-Maria Liebmann zur Wirtschaftskammer Steiermark nicht nachbesetzt. Das ist ein klares Zeichen für die Umstrukturierung, die Thomas Spann leiten wird. Begleitet von KPMG wird eine umfassende Analyse bestehender Abläufe vorgenommen. Die Reformen sollen bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Das klingt nach einer aufwendigen, aber notwendigen Aufgabe, um die Ressourcen auf Bereiche zu konzentrieren, die den Mitgliedsbetrieben wirklich zugutekommen.
