In den malerischen Bergen von Kaprun, wo die Luft klar und frisch ist, lebt mit Ingrid Ronacher eine wahre Königin des Bogenschießens. Mit 37 Jahren hat sie bereits zahlreiche Erfolge gefeiert, angefangen vor 25 Jahren, als sie als Kind mit dem Sport begann. Ihre Eltern waren von Anfang an eine große Unterstützung; der eigene Gasthof mit Campingplatz und angrenzendem Wald bot die perfekten Bedingungen, um das Bogenschießen zu erlernen. Hier, zwischen Bäumen und Natur, konnte sie sich entfalten und trainieren.
Ingrid ist im 3D-Bogensport aktiv, einer Disziplin, bei der auf Tierattrappen geschossen wird. Die Herausforderung, die es mit sich bringt, macht den Sport für sie so besonders. Seit 2014 tritt sie mit einem Compoundbogen an – einem Bogen, der mit Stabilisatoren ausgestattet ist, was ihr zusätzliche Präzision verleiht. Ihr Durchbruch im Spitzensport kam 2015, als sie bei der Breitensport-Weltmeisterschaft siegte. Doch der große Triumph folgte 2019, als sie überraschend den Weltmeistertitel im Profibereich gewann. Es war ein Moment, der für viele wie ein Märchen anmutete. Und doch, wie so oft im Leben, brachte dieser Erfolg auch eine Menge Druck mit sich.
Die mentale Herausforderung
Nach dem Titelgewinn sah sich Ingrid plötzlich mit hohen Erwartungen konfrontiert. Damit umzugehen, war nicht einfach. Doch sie wusste, wie wichtig das mentale Training ist, um die Herausforderungen zu meistern. So trainiert sie bis zu sechs Mal pro Woche, kombiniert Kraft-, Ausdauer- und Mentaltraining, um ihre Leistungsfähigkeit konstant hochzuhalten. Ihr Engagement bleibt nicht unbemerkt: Aktuell ist sie Präsidentin des Salzburger Bogensportverbands und setzt sich aktiv für die Förderung dieser Sportart ein. Es ist beachtlich, wie sie die Stimme des Bogensports in Österreich stärkt und gleichzeitig die fehlenden professionellen Strukturen kritisiert.
Auf den ersten Blick mag es verwunderlich erscheinen, dass eine so erfolgreiche Athletin nicht ausschließlich vom Sport leben kann. Doch trotz ihrer Erfolge arbeitet Ingrid in ihrem eigenen Fotostudio und einer Werbeagentur. Der Bogensport kämpft um mehr Sichtbarkeit und Unterstützung, und Ingrid ist sich dieser Herausforderung bewusst. Sie möchte dem Nachwuchs den Vortritt lassen und bleibt realistisch, was ihre Olympia-Chancen betrifft.
Ein Blick in die Zukunft
Die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles werden ein spannendes Kapitel für den Bogensport sein. Hier wird Ingrids Bogenklasse als Mixed-Disziplin olympisch, und es wird zum ersten Mal eine Medaille im Compoundbogenschießen vergeben. Das Internationale Olympische Komitee hat am 9. April 2025 die Aufnahme dieser Disziplin in das olympische Programm bekannt gegeben. Es ist ein historischer Moment, denn es ist die erste Aufnahme einer neuen Bogenart seit der Wiedereinführung des Bogenschießens im Jahr 1972. Diese Entwicklung eröffnet neuen Athletinnen und Athleten nicht nur Chancen, sondern steigert auch die Sichtbarkeit des Bogensports insgesamt.
Ingrid plant, bis zur Weltmeisterschaft in South Dakota (USA) Ende September weiterzumachen. Ihr Ziel? Eine Top-10-Platzierung im Feld-Bewerb und ein Podestplatz im 3D-Bereich. Ihr Weg ist nicht nur ein persönlicher Kampf, sondern auch eine Inspiration für alle, die die Pfeile nicht nur als Sportgerät, sondern als Symbol für Durchhaltevermögen und Leidenschaft betrachten. Und wer weiß, vielleicht wird ihre Geschichte eines Tages die nächste Generation von Bogenschützen motivieren, ihre eigenen Träume zu verfolgen.
