Die Kunstwelt hat einen ihrer strahlendsten Sterne verloren. Georg Baselitz, der Meister der auf den Kopf stehenden Figuren, ist kürzlich verstorben. Was bleibt, ist sein visuelles Testament, das nun in der Ausstellung „Goldene Helden“ in der Fondazione Cini in Venedig gewürdigt wird. Diese Schau, kuratiert von Luca Massimo Barbero, dem neuen Präsidenten der Fondazione, wird als eine Art Hommage an Baselitz und sein künstlerisches Erbe gesehen. Mit über 60 Jahren Malerei spiegelt die Ausstellung die Entwicklung eines Künstlers wider, der nie eine Schule gründete, sondern stets als einzigartiger Visionär galt.
Die Ausstellung bietet einen tiefen Einblick in Baselitz’ Werk und zeigt beeindruckende Leinwände mit Höhen von bis zu vier Metern. Eine besondere Note haben die Goldgrund-Gemälde, in denen Figuren vor einem schimmernden Goldhintergrund schweben. Diese Motive, darunter überlebensgroße Selbstporträts und Darstellungen seiner Lebenspartnerin Elke, strahlen eine gewisse Zerbrechlichkeit aus. Das Gold, das hier verwendet wird, hat vielschichtige Bedeutungen – es schafft Flachheit und erinnert an die Ikonenmalerei des Mittelalters. Baselitz’ Stil wird von opulenten Pinselstrichen und einer Maltechnik geprägt, die an Hokusai und die japanische Kalligraphie erinnert.
Ein Leben für die Kunst
Geboren 1938 in Sachsen, trat Baselitz in den 1960er Jahren als Teil der Neoexpressionisten auf. Diese Bewegung reagierte auf die damalige Krise der abstrakt-konzeptuellen Kunst. Künstler wie Gerhard Richter und Anselm Kiefer waren Zeitgenossen, die gemeinsam mit Baselitz neue Wege beschritten. Ein Schlüsselmoment in seiner Karriere war der Skandal um „Die große Nacht im Eimer“ von 1963, der zur Beschlagnahme des Werkes führte. Doch Baselitz ließ sich nicht beirren und brachte 1969 mit „Der Wald auf dem Kopf“ eine radikale Malweise hervor, die sein Schaffen prägen sollte.
Die Ausstellung „Goldene Helden“ wird bis zum 27. September 2026 in Venedig zu sehen sein und markiert einen weiteren wichtigen Punkt in Baselitz’ künstlerischer Laufbahn. In seinen späteren Jahren wandte der Künstler sich einer kühleren Farbpalette zu, die seine Werke von früheren, farbenfrohen Gemälden abhebt. Die auf dem Kopf stehenden Figuren, die ihm so eigen sind, besitzen eine tiefere Bedeutung – sie sind nicht bloß eine technische Wahl, sondern stehen für eine antitotalitäre Bewegung in der westlichen Kultur. Diese Symbolik macht die Kunst von Baselitz zu einem bedeutenden Teil der zeitgenössischen Kunstgeschichte.
Ein Erbe in Gold
Die Schau in der Fondazione Cini, unterstützt von der Galerie Thaddaeus Ropac, ist nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Erlebnis. Die Kombination von Gold mit menschlichen Figuren zieht die Besucher in ihren Bann und schafft eine beeindruckende Verbindung zwischen Raum und Körper. Werke wie „Türkische Hose auf dem Treppchen“, „Goldenes Gold“ und „Die goldene Kittelschürze“ laden dazu ein, die Mythologie der Figuren und die Verbindung zur deutschen Kultur zu erkunden. Baselitz hat es geschafft, mit seinen durchdachten, kultivierten Malstil ein Erbe zu hinterlassen, das weit über seine Lebenszeit hinaus wirkt.
So bleibt uns Baselitz als eine schillernde Figur in der Kunstszene, dessen Arbeiten von vielen bedeutenden Museen weltweit, wie dem Museum of Modern Art in New York und der Albertina in Wien, geschätzt werden. Sein Einfluss ist unbestreitbar und wird auch in den kommenden Jahren weiterleben – durch Ausstellungen wie „Goldene Helden“, die sein Werk ehren und feiern.