In der Stadt Salzburg tut sich etwas. Die Verantwortlichen haben beschlossen, die Vergangenheit nicht einfach zu ignorieren, sondern aktiv zu gestalten. Die Umbenennung von NS-belasteten Straßennamen steht auf der Agenda. Fünf neue Namen sollen noch in diesem Jahr das Straßenbild bereichern. Am 1. Dezember wird die erste Umbenennung vollzogen: Helene Taussig, eine beeindruckende Malerin und Grafikerin, wird den bisherigen Namensgeber Josef Thorak ersetzen. Sie wird künftig als „Helene-von-Taussig“ in der Stadt präsent sein. Ein Schritt, der nicht nur symbolisch ist, sondern auch eine Diskussion über die Verwendung von Adelstiteln bei solchen Umbenennungen anstoßen könnte.

Die Stadtregierung, die aus einer rot-rot-grünen Koalition besteht, hat sich nach vielen internen Diskussionen auf diese Maßnahmen geeinigt. Ein Beschluss zur Umbenennung wird am kommenden Donnerstag im Kulturausschuss des Gemeinderates gefasst. Bis Ende 2028 sollen insgesamt sechs von 13 hochbelasteten Straßen umbenannt werden. Diese Umbenennungen sind Teil eines größeren Plans, der darauf abzielt, männliche Nazi-Namen durch weibliche Namen zu ersetzen. Das bringt frischen Wind in die Stadt und würdigt zugleich die Erinnerungen an Opfer des Nazi-Terrors und Widerstandskämpferinnen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Salzburg hat insgesamt 1.156 benannte Verkehrsflächen. Erstaunlicherweise sind 566 davon nach Einzelpersonen benannt, und unter diesen finden sich 201 Personen, die während der NS-Zeit lebten. Die Stadt hat sich der Herausforderung gestellt, diese belastete Geschichte aufzuarbeiten. Ein umfangreicher Schlussbericht über NS-belastete Straßennamen wurde bereits am 8. Juni 2021 veröffentlicht und umfasst über 1.000 Seiten, die 66 Biografien behandeln. Diese Biografien wurden in verschiedene Kategorien eingeteilt, um den Grad der Verstrickung in das NS-System zu bewerten.

Der Fachbeirat für Straßennamen, der seit 2015 aktiv ist und aus Experten der Universität Salzburg und anderen Institutionen besteht, hat hier eine zentrale Rolle gespielt. Die Kriterien für die Einordnung beinhalten Verantwortung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Verbreitung der NS-Ideologie. Es ist ein Schritt in Richtung einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Der digitale Stadtplan von Salzburg bietet übrigens detaillierte Informationen zur Benennung der Verkehrsflächen. Ein wichtiger Weg, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren und die Diskussion über unsere Straßen und deren Namen weiterzuführen.