Jedermann: Ein Fest der Existenz und der Fragen des Lebens
Die Premiere des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen ist immer ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Und auch dieses Jahr war es nicht anders! Auf dem Domplatz tummeln sich die Leute, die Feierlichkeiten ziehen sich bis in die Nacht hinein – der Stieglkeller ist bis nach Mitternacht ein beliebter Anlaufpunkt für alle, die die Premiere gebührend ausklingen lassen wollen. Philipp Hochmair, der in der Titelrolle glänzt, ist zum dritten Mal dabei und schafft es, das Publikum zu begeistern. Vor der Vorstellung zeigt er sich entspannt, macht Selfies mit Fans und bedankt sich herzlich bei Hugo von Hofmannsthal, dem Schöpfer der Figur des Jedermann.
Obwohl es seine dritte Saison ist, fühlt sich die Aufführung für Hochmair wie eine Premiere an. Vielleicht liegt es daran, dass die Tracht im Publikum dominiert – ein Anblick, der einfach zur Salzburger Festspielkultur gehört. Unter den Gästen waren auch Prominente wie Caroline Sinemus, Eva Maria Baronin von Schilgen und Klaus Mathis. Ein bisschen Wehmut schwingt bei Gery Keszler mit, der seine traditionelle Gala absagen musste. Trotz der Umstände gibt es nach dem Schlussapplaus eine große Feier im Stieglkeller, wo Hochmair gemeinsam mit Roxane Duran den Bieranstich vornimmt. Duran, die die Buhlschaft spielt, wird beim Anstich mit Bier bespritzt, nimmt das jedoch mit Gelassenheit.
Ein Stück mit Bedeutung
Robert Carsens Inszenierung des „Jedermann“ kehrt für eine zweite Saison auf den Domplatz zurück und das Stück hat eine lange Tradition. Seit über 100 Jahren wird es hier unter freiem Himmel aufgeführt. Es basiert auf einem englischen morality play aus dem 16. Jahrhundert und einem älteren niederländischen Stück, was es zu einem wahren Klassiker macht. Carsens moderne Auslegung verortet das Werk in unsere materialistisch geprägte Welt. Der Jedermann erkennt, wie das Finanzsystem funktioniert und nutzt dessen Kräfte für seine Vergnügungen. Doch der Genuss des Lebens wird jäh unterbrochen, als ihn die Erinnerung an seine Sterblichkeit einholt.
Die universelle Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Sinn des Lebens wird in dieser Inszenierung eindrucksvoll thematisiert. Hofmannsthal stellt die Frage, ob Reichtum und Vergnügen wirklich die wichtigsten Aspekte des Lebens sind. Nach einem tiefgründigen Gespräch mit seiner Mutter beginnt Jedermann, seine Lebensführung zu hinterfragen. Diese Suche nach dem Wert und Sinn des Lebens führt unweigerlich zu Fragen über den Tod, gute Werke und Glauben. Hochmair selbst spricht offen über die Nacktszene im Stück, die von Jahr zu Jahr konsequenter umgesetzt wird – von Unterwäsche hin zu noch weniger Bekleidung. Das sorgt für Gesprächsstoff und regt die Gemüter an, nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch in der Presse.
Eine lange Tradition und ihre Wendungen
Die Aufführungen des „Jedermann“ finden seit 1920 auf dem Domplatz statt und ziehen jährlich über 30.000 Besucher an. Sie sind ein begehrtes Podium für Schauspieler, denn die Hauptrolle gilt als eine der größten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. Die Rolle der Buhlschaft hat sich zu einem Barometer für das aktuelle weibliche Schönheitsideal entwickelt – und oft stehen hier populäre Fernseh- und Filmstars auf der Bühne. In der Zeit von Max Reinhardt gab es mehrere Jedermänner und Buhlschaften, die Besetzungen haben sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert.
2023 gab es sogar Zwischenrufe von Aktivisten während der Premiere, was für ein wenig Verwirrung im Publikum sorgte. Doch das ist Teil der Geschichte des Salzburger Jedermanns, die immer wieder Brüche und Kontinuitäten aufweist. Mit der 800. Aufführung, die 2025 stattfand, bleibt die Faszination ungebrochen. Das Stück wird nicht nur als Metapher für das Leben beschrieben, sondern zeigt uns auch, wie Kunst ein Mittel ist, um mit der Vergänglichkeit und dem Tod umzugehen.
