Ein Klassiker im Wandel: Die Zukunft des Jedermann auf dem Salzburger Domplatz
Gestern Abend war es endlich so weit: Die Premiere der „Jedermann“-Inszenierung von Robert Carsen bei den Salzburger Festspielen stand auf dem Programm. Der Domplatz, dieser magische Ort, war bei lauen Temperaturen der perfekte Rahmen für diesen Klassiker. Man konnte die Vorfreude in der Luft förmlich riechen, während die Zuschauer Platz nahmen und sich auf ein Stück Theatergeschichte einstellten.
Doch die Inszenierung, nun im dritten Jahr, zeigte schon deutliche Abnutzungserscheinungen. Philipp Hochmair, der erneut in der Rolle des Jedermann auftrat, schien trotz seiner schauspielerischen Fähigkeiten etwas müde zu sein. Im zweiten Teil des Abends kam zwar mehr Dramatik in seine Darstellung, doch die anfängliche Müdigkeit war nicht zu übersehen. Auch die neue Buhlschaft, Roxane Duran, konnte nicht ganz überzeugen – sie hatte es schwer, den hohen Erwartungen, die ihre Vorgängerin Deleila Piasko gesetzt hatte, gerecht zu werden.
Ein bunter Mix aus alten und neuen Gesichtern
In der Rolle der Mutter brillierte Daniela Ziegler, doch auch sie konnte keine glaubwürdige emotionale Bindung zu ihrem Sohn Jedermann herstellen. Ihre Darstellung blieb etwas blass. Ein Lichtblick war Meike Droste, die kurzfristig für Sylvie Rohrer einsprang und in der Doppelrolle des armen Nachbarn und der Werke glänzte. Sie brachte frischen Wind auf die Bühne und zeigte, dass sie in der Lage ist, das Publikum zu fesseln.
Die unveränderte Besetzung mit Christoph Luser als Guter Gesell/Teufel und Dominik Dos-Reis als Tod trug zur Vertrautheit der Inszenierung bei. Hochmairs Nacktheit wurde von einigen als unnötiger Effekt empfunden – das bleibt Ansichtssache. Am Ende des Abends spendete das Publikum freundlichen Applaus, auch wenn der Funke nicht so recht überspringen wollte. Interims-Intendantin Karin Bergmann steht nun vor der Herausforderung, zu entscheiden, ob die Inszenierung ein viertes Jahr überstehen wird. Die Hearings für die neue Intendanz ab Oktober 2027 werfen bereits ihre Schatten voraus.
Ein Blick in die Zukunft
Doch nicht nur die gegenwärtige Inszenierung stand im Fokus. Bereits jetzt wirft der „Jedermann“ seine Schatten voraus, denn 2026 wird er wieder auf den Salzburger Domplatz zurückkehren. Carsen, der diese ikonische Inszenierung erneut leitet, hebt die Symbolkraft des Stücks für die Salzburger Festspiele hervor. Das Thema Vergänglichkeit wird auch in der neuen Besetzung mit drei starken Schauspielerinnen sichtbar: Roxane Duran als Buhlschaft, Sylvie Rohrer in der Doppelrolle und Daniela Ziegler als Jedermanns Mutter. Diese frischen Perspektiven könnten der Inszenierung neuen Schwung verleihen.
Die Vorfreude ist bereits jetzt spürbar. Roxane Duran selbst beschreibt ihre Rolle als Erfüllung eines Traums und betont, wie wichtig die Salzburger Festspiele für sie waren – nicht zuletzt in ihrer Schulzeit. Sylvie Rohrer hingegen reflektiert über ihre Doppelrolle, die die veränderte Wahrnehmung des Lebens im Angesicht des Todes verkörpern soll. Daniela Ziegler freut sich über ihr Debüt und die Tradition von Hofmannsthals Werk. Auch Hochmair ist gespannt auf die kommenden Herausforderungen und die Zusammenarbeit mit seinen neuen Kolleginnen.
Die Salzburger Festspiele, die am 17. Juli mit der Generalprobe für „Jedermann“ beginnen, haben einmal mehr bewiesen, dass sie ein Schauplatz für Emotionen, Tradition und Wandel sind. Es bleibt abzuwarten, wie sich die kommenden Aufführungen entwickeln werden – und ob der „Jedermann“ auch im vierten Jahr noch die Zuschauer in seinen Bann ziehen kann.
