Die stille Bedrohung: Wie die Hitzewelle Europa in den Griff bekommt
Die Hitze hat uns im Griff – und das nicht nur in Salzburg. Der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnt eindringlich vor den verheerenden Folgen der aktuellen Hitzewelle in Europa. Seit dem 21. Juni 2023 wurden über 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die auf die hohen Temperaturen zurückzuführen sind. Und das ist erst der Anfang. Ganze 150 Millionen Menschen leiden derzeit unter extremer Hitze, Schulen mussten geschlossen werden und die Stromnetze stehen unter immensem Druck. Hitzestress, der als „stiller Killer“ bezeichnet wird, wird für viele zum gefährlichen Begleiter.
In Europa geht die Erwärmung doppelt so schnell voran wie im Rest der Welt. Die Wohnungen, Schulen und Arbeitsplätze sind nicht auf solche Temperaturen ausgelegt. Das merkt man nicht nur beim schwitzen im Büro, sondern auch an der gesundheitlichen Belastung. Der WHO-Chef betont, dass jährlich weltweit rund 500.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze sterben – viele dieser Todesfälle könnten durch geeignete Schutzmaßnahmen verhindert werden.
Die Zahlen sprechen für sich
António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, ruft dringend zu Maßnahmen gegen die extreme Hitze auf. Zwischen 2000 und 2019 gab es weltweit im Schnitt etwa 489.000 hitzebedingte Todesfälle pro Jahr, und mehr als 175.000 davon entfallen auf die Europäische Region. Das ist ein besorgniserregender Anstieg von 30 % in den letzten 20 Jahren. Hitzebelastung ist mittlerweile die Hauptursache für klimabedingte Todesfälle in Europa.
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, schwangere Frauen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Extreme Temperaturen verschärfen Gesundheitsprobleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsbeschwerden und psychische Probleme. In mehr als 20 Ländern Europas gibt es bereits Aktionspläne, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger vor Hitze zu schützen. Die WHO/Europa hat sich das Ziel gesetzt, ihre Empfehlungen zur Hitzeprävention zu aktualisieren und führt die jährliche Kampagne #KeepCool durch, um auf die Gefahren extremer Hitze aufmerksam zu machen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entwicklungen der letzten Jahre lassen vermuten, dass die Situation sich nicht beruhigen wird. Europa, das am schnellsten erwärmte Kontinent, wird weiterhin mit Rekordtemperaturen und langanhaltenden Hitzewellen konfrontiert sein, insbesondere in Südeuropa. Hitze kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen – Hitzestress, Hitzschlag und Komplikationen bei bestehenden Erkrankungen sind nur einige der möglichen Folgen. Die WHO hat festgestellt, dass 95 % der wetter- und klimabedingten Todesfälle in Europa zwischen 1980 und 2023 auf Hitzewellen zurückzuführen sind.
Es wird geschätzt, dass im Jahr 2022 zwischen 60.000 und 70.000 hitzebedingte Todesfälle in Europa zu verzeichnen waren. Der anthropogene Klimawandel ist nicht nur ein abstrakter Begriff – er hat bereits konkrete Auswirkungen auf unser tägliches Leben, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wenn wir nicht handeln, könnte die hitzebedingte Sterblichkeit in Zukunft dramatisch ansteigen, und das nicht nur bei extremen Temperaturen von 3 °C.
Die politische Antwort auf diese Krise ist entscheidend. Frühwarnsysteme, öffentliche Aufklärung und Verbesserungen in der Stadtplanung sind notwendig, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Hitze-Gesundheits-Aktionspläne (HHAPs) werden zunehmend als wichtiges Instrument zur Verringerung hitzebedingter Todesfälle anerkannt. Im Jahr 2024 hatten bereits 21 der 38 EWR-Länder solche Pläne, und viele andere entwickeln sie gerade.
Ein guter Teil der Verantwortung liegt bei uns allen: Bleiben Sie bei extremer Hitze drinnen, sorgen Sie für ausreichende Flüssigkeitszufuhr und helfen Sie älteren Menschen in Ihrer Nachbarschaft. Es ist wichtig, jetzt aktiv zu werden, um die kommenden Jahre lebenswert zu gestalten – denn die Hitze ist erst der Anfang.
