Religion und Politik – das ist ein Thema, das oft für Zündstoff sorgt. In den USA, unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump, hat sich diese Verbindung mehr denn je verstärkt. Evangelikale Christen, die treueste Wählergruppe Trumps, haben sich seinem Kurs angeschlossen, und das aus gutem Grund: Er lieferte politische Erfolge, die sie unter seinen Vorgängern nicht erleben konnten. Die Aufhebung des landesweiten Rechts auf Abtreibung, die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem und die konservative Neubesetzung des Supreme Court sind nur einige der Errungenschaften, die den Glauben vieler an Trumps „Gott gegebenes“ Mandat stärken.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dieser Vermischung von Glaube und Politik war die Feier zum 250-jährigen Jubiläum der USA, die in Washington stattfand. Zehntausende von Christen versammelten sich unter dem Banner von „Rededicate 250“, um gemeinsam zu beten und Bibeltexte zu lesen. Hochrangige Regierungsvertreter sprachen über nationale Identität und Werte, während auf der Bühne die Botschaft verbreitet wurde: „Gott steht seit der Gründung 1776 im Mittelpunkt unserer Nation“. Ein ganzes Land, das sich um den Glauben versammelt – das ist nicht nur eine symbolische Geste, sondern ein Teil einer größeren Erzählung, die die Geschichte der USA als göttlichen Plan darstellt.

Ein neuer Typus von Führung

Aber es geht nicht nur um die großen Worte und Feierlichkeiten. Auch die personelle Besetzung von Trumps Kabinett spiegelt diese Entwicklung wider. Radikale Vertreter wie Pete Hegseth, ein ehemaliger Elitesoldat und Moderator bei Fox News, wurden für Schlüsselpositionen nominiert. Hegseth sieht sich selbst als „Christian Warrior“ und propagiert eine aggressive Sichtweise, die Gewalt und Männlichkeit glorifiziert. Er ist nicht nur ein Mann mit einer klaren Agenda, sondern auch jemand, der mit seinen Tätowierungen – darunter ein Sturmgewehr über der US-Flagge – ganz klar Position bezieht. Seine Bücher, in denen er zu einem Kreuzzug gegen alles Linke aufruft, zeigen deutlich, in welche Richtung die politische Bewegung unter Trump geht.

Ein weiterer bemerkenswerter Akteur ist Mike Huckabee, ein prominenter Vertreter der christlichen Zionisten, der als US-Botschafter in Israel nominiert wurde. Huckabees Sprache ist aufgeladen mit religiösen Symbolen und einer Politik, die die Siedlerbewegung unterstützt. Das zeigt, wie stark die Verknüpfung von Glaube und politischer Agenda mittlerweile geworden ist.

Die gespaltene Gesellschaft

Doch während die Unterstützung für Trump unter den Evangelikalen ungebrochen bleibt – 75 Prozent von ihnen wählten ihn – gibt es auch eine wachsende Gegenbewegung. Jüngere Generationen zeigen in der Pop- und Medienkultur zunehmend säkulare und religionskritische Tendenzen. Der Streit um Religion wird immer mehr zu einem Kampf um die gesellschaftliche Identität der USA. Der Soziologe Philip Gorski warnt davor, die USA als einen christlich-extremistischen Staat zu bezeichnen, denn die Gesellschaft ist vielfältig und weist klare Tendenzen zur Säkularisierung auf. Dennoch versuchen christliche Nationalisten, Schlüsselpositionen in Politik und Kultur zu besetzen, um ihre Vision einer christlichen Nation durchzusetzen.

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In der Tat ist der Weg, den die Evangelikalen in den letzten Jahrzehnten eingeschlagen haben, bemerkenswert. Ursprünglich hielten sie sich bis in die 1980er-Jahre weitgehend aus der Politik heraus, obwohl sie viele Entwicklungen, wie die Akzeptanz von Homosexualität, ablehnten. Die Gründung von Organisationen wie der „Moral Majority“ markierte dann den Beginn einer politischen Mobilisierung, die bis heute anhält. Die Geschichte des Evangelikalismus ist geprägt von einer ständigen Auseinandersetzung mit den Fragen von Identität und der Rolle des Glaubens in der modernen Gesellschaft. Und so wird der Kulturkampf um Religion und Identität in den USA weitergehen – mit all seinen Facetten, Spannungen und Herausforderungen.