Ein Fest der Tradition mit unerwarteter Wendung: Erzbischof Lackners Jubiläum und die Karabiner-Kontroverse
Im Salzburger Dom dröhnte der Klang der Orgel, während Erzbischof Franz Lackner seinen 70. Geburtstag feierte. Ein doppelter Grund zum Feiern: Auch sein 35. Priesterjubiläum stand auf dem Programm. Über 50 Priester und Diakone sowie zahlreiche Vertreter aus Gesellschaft und Politik waren anwesend, um diesen besonderen Tag zu zelebrieren. Die Atmosphäre war festlich, die Kirchenbänke gut gefüllt und der Duft von frischen Blumen lag in der Luft. Doch das anschließende Fest sollte eine unerwartete Wendung nehmen.
Etwa 200 Gebirgsschützen aus Tirol hatten sich in traditioneller Kleidung – mit braunem Schützenrock und Hut – versammelt, um dem Erzbischof Ehre zu erweisen. Sie standen mit ihren historischen Karabinern Spalier, ein beeindruckender Anblick. Doch nach der Messe, als 34 Tiroler Schützen mit ihren Karabinern im Bus nach Hause fahren wollten, entglitt der Situation die Kontrolle. Auf der Autobahn von Salzburg nach Tirol, die durch Bayern führt, bemerkte ein Beamter der deutschen Bundespolizei einen „gewehrähnlichen Gegenstand“ im Bus. Sofort wurde der Bus verfolgt und gestoppt – 34 Karabiner wurden sichergestellt.
Ein beispielloser Vorfall
Die Ermittlungsbehörden leiteten ein Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen das Waffengesetz ein. Eine Kaution von 6.800 Euro wurde verlangt. Kompliziert wurde die Angelegenheit durch die Tatsache, dass einige Schützen ihre Dokumente nur als Handyfoto dabei hatten. Der bayerische Landeskommandant der Gebirgsschützen bezeichnete den Vorfall als beispiellos, was in der Vergangenheit wohl eher unauffällige Veranstaltungen betrifft. Hubert Aiwanger, der bayerische Wirtschaftsminister, stellte fest, dass diese Aktion die innere Sicherheit Deutschlands kaum erhöhen werde. Immerhin, die Waffen sollen nach Vorlage der erforderlichen Dokumente wieder ausgehändigt werden.
Das Schützenwesen hat in Tirol eine lange Tradition. Es geht zurück auf die Anfänge unter Kaiser Maximilian I. im Jahr 1511, als den Tirolern das Tragen von Waffen durch das Landlibell gestattet wurde. Damals wurden die Standschützen – die Vorläufer der heutigen Schützengilden – gegründet, die regelmäßig Schießübungen abhielten. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Schützenwesen immer wieder Aufschwünge, etwa mit der Schießstandverordnung von 1845 oder während der Blütezeit nach der Thronbesteigung von Kaiser Franz Joseph I. 1900 zählten die Tiroler bereits 438 Schießstände und 51.000 Standschützen.
Von Tradition zu Sport
Heute ist der Tiroler Landesschützenbund nicht nur ein Traditionsverband, sondern auch im Sportbereich aktiv. Die Schützen nehmen an internationalen Wettkämpfen teil und haben bemerkenswerte Erfolge erzielt, wie die Bronzemedaille von Christian Planer bei den Olympischen Spielen 2004 oder den Weltrekord von Monika Haselsberger. Mit über 8.000 Mitgliedern in 159 Vereinen ist der Landesschützenbund ein lebendiger Teil der Tiroler Kultur und Gemeinschaft. Ehrenamtliche Funktionäre kümmern sich um die Jugendarbeit und Traditionspflege, was zeigt, wie tief dieser Brauch in der Gesellschaft verwurzelt ist.
Obwohl der Vorfall nach der Messe für Aufregung sorgte, bleibt die Verbundenheit der Schützen zur Tradition stark. Ihre historische „Wiener Fahne“ von 1863 und die neue Landesfahne von 2005, die den Tiroler Adler und den Heiligen Sebastian zeigt, sind Symbole des Erbes. Bei Festumzügen ziehen sie stolz mit 54 Fahnen aus den Schützengilden durch die Straßen. Ein ganz normales Fest wird so schnell zum Abenteuer, das alle Beteiligten noch lange im Gedächtnis behalten werden.
