In der Stadt Salzburg gibt es einen akuten Handlungsbedarf, der die Gemüter bewegt. Der ehemalige Stadtplaner Gerhard Doblhamer, der über 30 Jahre lang die Stadtplanung maßgeblich geprägt hat, äußert sich kritisch zur aktuellen Debatte um das Räumliche Entwicklungskonzept (REK). Seit seinem Einstieg in die Stadtplanung im Jahr 1968 beschreibt Doblhamer Salzburg als „planerisch unterentwickelt“. Sein Werdegang führte ihn von Ried im Innkreis über ein Architekturstudium an der Technischen Universität Wien bis hin zu seiner Promotion über die Entwicklung österreichischer Städte. Nun meldet er sich mit einem radikalen Gegenentwurf zu Wort, den er gemeinsam mit dem Naturschutzbund Salzburg präsentiert.
Das neue REK soll die Stadt bis 2050 zukunftsfähig machen, doch Doblhamer sieht viel Verbesserungspotenzial. Sein Alternativmodell, das den Stadtteil Schallmoos ins Zentrum der Überlegungen rückt, schlägt vor, den dortigen Gewerbeschwerpunkt in ein Wohngebiet umzuwandeln. Auf rund 60 Hektar könnten bis zu 12.000 Wohnungen entstehen, mit einem klaren Fokus auf eine kluge Nachverdichtung. Doblhamer kritisiert die Verkehrssituation am bestehenden Gewerbeschwerpunkt und plant, den Durchzugsverkehr weitgehend auszuschließen. Stattdessen sieht er Platz für ein Netz aus 3,5 Kilometer langen Alleen, gesäumt von etwa 1000 Bäumen.
Lebensqualität und Zukunftsperspektiven
Im Rahmen seines alternativen Entwurfs setzt Doblhamer auf die Stärkung der Innenstadt und die Schaffung lebendiger Stadtteile, ohne neue Grünflächen zu verbauen. Der Naturschutzbund hebt hervor, dass Grünräume unverzichtbare Lebensräume für die Bevölkerung darstellen. Es werden zehn Planungsziele definiert, die darauf abzielen, Salzburg lebenswerter und klimafitter zu gestalten. Ein zukunftsweisender Vorschlag ist die Etablierung eines Zentrums für Forschung und Entwicklung sowie die Gründung einer technischen Universität, die den Namen „TU West“ tragen könnte. Dies würde einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung zukunftsfähiger Jobs leisten und die Stadt im Vergleich zu Wien und Graz aufholen lassen.
Doblhamer plädiert für eine Abkehr von der tourismusgeprägten Wirtschaftsstruktur hin zu einer, die auch der Bevölkerung zugutekommt. Eine bessere Erreichbarkeit, etwa durch eine S-Bahn-Verbindung zum Flughafen, würde die Lebensqualität erhöhen und den Pendelverkehr erleichtern. Ein Umdenken in der Stadtentwicklung ist gefragt: Die UN prognostizieren, dass bis 2050 bis zu 70% der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Daher ist es umso wichtiger, dass Salzburg als lebenswerte Stadt nicht hinterherhinkt und die Bedürfnisse seiner Bürger ernst nimmt.
Auf dem richtigen Weg?
Doblhamer kritisiert die umfangreichen Analysen des aktuellen REK, die oft ohne klare Schlussfolgerungen bleiben. Er fordert eine klare Vision und konkrete Maßnahmen, um den Herausforderungen der urbanen Entwicklung gerecht zu werden. Nachhaltige Stadtentwicklung erfordert einen fairen Ausgleich zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Lebensbedingungen. Dabei müssen auch die Interessen zukünftiger Generationen berücksichtigt werden, denn die Folgen von Mängeln in der Stadtentwicklung werden letztlich an die Nutzer weitergegeben.
Die Diskussion um das REK und Doblhamers Alternativvorschläge zeigen, wie wichtig ein interdisziplinärer Ansatz in der Stadtplanung ist. Die Herausforderungen, wie Luftverschmutzung, Klimawandel und soziale Ungleichheiten, verlangen innovative Lösungen und die aktive Mitwirkung der Bevölkerung. Die Einladung des Naturschutzbundes an Politik und Bürger, gemeinsam an einem zukunftsfähigen Konzept zu arbeiten, könnte der erste Schritt in die richtige Richtung sein. Salzburg hat die Chance, eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Stadtentwicklung zu übernehmen und ein lebenswertes Zuhause für alle zu schaffen.