Kampf um die Umwelt: Rechenzentrum in Kronstorf steht im Fokus der Kritik
In den letzten Wochen hat das Google-Rechenzentrum in Kronstorf, Oberösterreich, für gehörigen Wirbel gesorgt. Die SPÖ (Sozialdemokratische Partei Österreichs) ist auf den Plan getreten und fordert eine Überarbeitung des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-Gesetz). Warum? Nun, Rechenzentren wie das in Kronstorf sind derzeit keine eigene Vorhabenskategorie im UVP-Gesetz. Das bedeutet, dass das Projekt nicht UVP-pflichtig ist – eine Tatsache, die die SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr nicht unkommentiert lassen kann. Sie sieht hier eine Ungleichheit in den Umweltprüfungen, vor allem im Vergleich zu kleineren Windkraftprojekten, die strenger kontrolliert werden.
Der Stromverbrauch des geplanten Datencenters ist nicht von schlechten Eltern. Laut dem Austrian Power Grid wird er etwa 900.000 Haushalte mit Energie versorgen. Und das ist nicht alles: täglich sollen rund 5,8 Millionen Liter 30 Grad warmes Wasser in die Enns geleitet werden. Umweltschützer sehen das als problematisch an. Der Spatenstich für das Rechenzentrum fand Ende April statt, und die Maximalkapazität des Strombedarfs soll 150 Megawatt betragen – mit weiteren Plänen für eine Gesamtkapazität von bis zu 500 Megawatt. Zum Vergleich: Oberösterreich hat im Jahr 2024 laut Energiebericht 14 Terawattstunden verbraucht – das Datencenter könnte also einen erheblichen Teil davon ausmachen.
Forderungen von Bürger:innen und Umweltschützern
Eine Bürger:inneninitiative hat sich bereits formiert und ruft zu einer Kundgebung an der Baustelle auf. Ihre Forderungen sind klar: Offenlegung aller Verträge zwischen Politik und Tech-Konzernen, umfassende Prüfungen zu Lärm, Verkehr und Netzsicherheit sowie Schutzmaßnahmen gegen Lärm und negative Auswirkungen des Mikroklimas durch die Abwärme des Rechenzentrums.
Doch nicht nur die SPÖ ist besorgt. Der WWF (World Wide Fund for Nature) hat ebenfalls Alarm geschlagen und fordert die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung für Rechenzentren. Ziel ist es, die ökologischen Auswirkungen besser zu bewerten und nach Möglichkeit zu minimieren. Schließlich verbrauchen Rechenzentren immer mehr Energie und haben einen signifikanten Einfluss auf die Umwelt. Der WWF möchte gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die nachhaltige Praktiken fördern und die Digitalisierung umweltfreundlicher gestalten.
Energieeffizienz und Umweltbelastungen
Hier kommen auch die Kennzahlen zur Energieeffizienz ins Spiel. In der Welt der Rechenzentren wird oft die Power Usage Effectiveness (PUE) verwendet, um die Effizienz zu messen. Aber aufgepasst! Diese Kennzahl sagt mehr über die Gebäudetechnik als über die Informationstechnik aus. Und das ist ein Problem, denn in vielen Rechenzentren sind die Server oft unterausgelastet. Eine Erhebung hat gezeigt, dass in einem der ineffizientesten Rechenzentren zehnmal höhere Treibhausgasemissionen pro Rechenoperation festgestellt wurden, was alles andere als optimal ist.
Das Umweltbundesamt hat darauf reagiert und das Kennzahlensystem Key Performance Indicators for Data Center Efficiency (KPI4DCE) entwickelt, das eine ganzheitliche Bewertung der Energie- und Ressourceneffizienz ermöglicht. Es berücksichtigt den gesamten Lebenszyklus der Informationstechnik und setzt die Leistung des Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energie- und Rohstoffaufwand. Das klingt vielversprechend, und es bleibt zu hoffen, dass solche Maßnahmen auch in Kronstorf bald Anwendung finden.
