Am 22. Juni 2026 fand in Salzburg ein bedeutendes Event statt, das nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern ganz Europa in den Fokus nahm. Die Matinee 2026 der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK) brachte rund 160 Gäste zusammen, darunter die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf und Stadträtin Andrea Brandner. Im Rahmen dieser Veranstaltung trat Rafaela Kraus, eine gestandene Professorin für Unternehmens- und Personalmanagement an der Universität der Bundeswehr München, als Gastrednerin auf.

Kraus, eine ausgewiesene Expertin in den Bereichen Entrepreneurship, Innovation und Technologietransfer, stellte in ihrer Festrede die aktuelle Weltlage als Wendepunkt dar – militärisch, wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Angesichts der geopolitischen Spannungen, die vor allem durch den Ukraine-Konflikt und die strategischen Manöver von USA und China hervorgerufen werden, war ihre Botschaft klar: Europa muss seinen Platz in dieser neuen Ordnung verteidigen.

Ein Aufruf zur Zusammenarbeit

Die Professorin betonte die Dringlichkeit, Volkswirtschaften zu identifizieren, die Sicherheit, technologische Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung miteinander verknüpfen. Sicherheit ist mittlerweile zu einer industrie- und innovationspolitischen Aufgabe geworden, wie auch DHK Präsident Hans Dieter Pötsch in seinen Eröffnungsworten anmerkte. Kraus wies darauf hin, dass Künstliche Intelligenz den Preis des Denkens dramatisch senkt und somit Organisationen, die menschliche Kognition benötigen, nachhaltig beeinflusst.

Ein besonders spannender Punkt war die Tatsache, dass die Verteidigungsfähigkeit nicht nur von Budgets abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, technologischen Fortschritt schnell in Handlungsfähigkeit umzusetzen. Kraus sprach von einem „Erlaubnisproblem“ in Europa, das Tempo, Risiko und Gestaltung im Verteidigungsbereich betrifft. Sie forderte neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Staat, Industrie, Wissenschaft und Startups. Ein zentrales Anliegen, das nicht nur für den Verteidigungssektor, sondern für die gesamte europäische Wirtschaft von Relevanz ist.

Steigende Verteidigungsausgaben in Europa

Die Notwendigkeit dieser Ansätze wird auch durch die aktuellen Entwicklungen in der Verteidigungswirtschaft unterstrichen. So haben die 27 EU-Länder im Jahr 2024 ihre Verteidigungsausgaben auf einen Rekordwert von 343 Milliarden Euro erhöht, was einem Anstieg von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für 2025 wird ein weiterer Anstieg auf 381 Milliarden Euro prognostiziert, wobei fast 130 Milliarden Euro in neue Waffen investiert werden sollen.

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Besonders auffällig ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden, die ihre Kräfte bündeln, um Technologien im Verteidigungsbereich zu stärken. Deutschland plant, die Schuldenbremse teilweise außer Kraft zu setzen, um ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für militärische Infrastruktur zu finanzieren. Dies ist ein klarer Indikator für die steigenden Ausgaben, die nicht nur die militärische Schlagkraft erhöhen, sondern auch technologische Innovationen fördern sollen.

Ein Blick in die Zukunft

Doch trotz all dieser Investitionen sieht sich die Branche mit Herausforderungen konfrontiert. Ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sowie ein fragmentierter europäischer Rüstungsmarkt stellen ernsthafte Probleme dar. Zudem gibt es in der EU nichttarifäre Handelshemmnisse, die die Innovationskraft und Effizienz beeinträchtigen. Diese Probleme müssen dringend angegangen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Kontext zu sichern.

Die Diskussion um die Verteidigungsfähigkeit und die damit verbundenen Ausgaben wird sicherlich auch in den kommenden Jahren ein zentrales Thema bleiben. Kraus’ eindringlicher Appell zur schnellen Reaktion und Anpassung könnte dabei der entscheidende Impuls sein, den Europa dringend benötigt.