Ein Geschmack der Tradition: Die Twengeralm und ihre kulinarischen Schätze
Die Twengeralm, hoch oben in den Niederen Tauern und nur 50 Minuten Fußmarsch vom Parkplatz Schaidberg entfernt, ist nicht nur ein Ort, wo die Luft frisch und die Aussicht atemberaubend ist. Hier wird Tradition großgeschrieben. Wolfgang Kocher, Lehrer an der Landwirtschaftlichen Fachschule Tamsweg und Hüttenwirt, verbringt die Sommermonate mit seiner Familie auf der Alm. Der Alltag ist geprägt von der Natur – dem Wetter, den Tieren und der unermüdlichen Arbeit. Im Sommer bringt man die Tiere auf die Weide, sobald die Witterung es zulässt, und mit dem Almauftrieb beginnt die Verarbeitung der frischen Milch. Es ist ein Rhythmus, der einen tiefen Respekt vor dem Handwerk und der Natur vermittelt.
Die Milch, die hier täglich gewonnen wird, hat einen ganz besonderen Geschmack. Wolfgang und sein Team verwenden traditionelle Methoden, um köstliche Produkte wie Butter, Buttermilch und verschiedene Käsesorten herzustellen. Der erste Käse aus eigener Produktion benötigt etwa fünf Wochen, wobei in der Zwischenzeit Käse aus biologischer Produktion aus dem Tal verwendet wird. Diese Kunstfertigkeit und das handwerkliche Können sind nicht nur für die Region identitätsstiftend, sie sind auch ein Zeichen für die Wertschätzung der Herkunft der Lebensmittel. Und das schmeckt man! Besonders die Buttermilch, die hier so anders schmeckt als in der Industrie – einfach unverwechselbar.
Einblicke in die Almwirtschaft
Die Almwirtschaft, wie sie auf der Twengeralm praktiziert wird, sichert nicht nur die Lebensgrundlage der Familie Kocher, sondern trägt auch zur Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft bei. Die Tiere, die hier grasen, sorgen für eine angepasste Beweidung der Almen, was einen wertvollen Bewuchs mit lichtbedürftigen Kräutern und Almpflanzen wie Enzian und Orchideen fördert. Insgesamt wurden an den Hängen des Chiemgauer Blumenbergs rund 720 Farn- und Blumenarten gezählt. Das garantiert nicht nur eine hohe biologische Vielfalt, sondern auch die aromatische Milch, die in würzigen Käse verwandelt wird.
Und was passiert mit der Molke, die bei der Käseproduktion anfällt? Na klar, die wird an die Schweine verfüttert! Aus deren Fleisch entstehen dann schmackhafte Spezialitäten wie Speck, Würste und Schinken. Die Twengeralm setzt zudem auf Produkte aus eigener Landwirtschaft: Biojungrind, Ziegenkitzfleisch und der Lungauer Eachtling. Das kulinarische Angebot ist vielfältig – von hausgemachten Sirupen über Bauernkrapfen bis hin zu regionalen Gerichten wie dem Lungauer Rahmkoch. Ein wahrer Genuss für alle, die die Almküche zu schätzen wissen.
Tradition und Herausforderungen
Die Almwirtschaft hat eine lange Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie war und ist eine wichtige Einnahmequelle, die nicht nur die Natur, sondern auch das handwerkliche Können bewahrt. Die Traditionen, wie das Almabtriebsfest oder das Aufstellen von Almkreuzen, sind Teil des kulturellen Erbes. Doch die Almwirtschaft steht auch vor Herausforderungen. Der demografische Wandel und der Klimawandel setzen den Almbauern zu, und auch der wachsende Tourismus bringt Konflikte mit sich. Immer weniger Almbauern sorgen für einen schleichenden Verlust an Know-how, und das ist bedauerlich, denn dieses Wissen ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt.
Am Ende des Tages, nach einem langen, fordernden Arbeitstag auf der Alm, bleiben die Kocher-Familie und ihre Gäste nicht nur mit vollen Bäuchen zurück. Sie nehmen auch ein Stück der Tradition, der Regionalität und der handwerklichen Kunst mit nach Hause. Ein Besuch auf der Twengeralm ist nicht nur ein kulinarisches Erlebnis, sondern auch eine Reise in die Seele der alpenländischen Kultur. Und das ist etwas, was man sich nicht entgehen lassen sollte!
