In Salzburg bleibt die angestrebte Reaktivierung der Stieglbahn für den Personenverkehr vorerst auf der Strecke. Die geplante Machbarkeitsstudie wurde auf Eis gelegt, wie Stadträtin Anna Schiester bestätigte. Hinter dieser Entscheidung stehen nicht nur Zweifel an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit, sondern auch die Ergebnisse einer älteren Studie, die die Nachfrage nach Fahrgästen als zu gering einstufte. Die Stieglbahn, die seit 1920 die Bahnstrecke beim Bahnhof Aiglhof mit der Stieglbrauerei in Maxglan verbindet, wurde ursprünglich für den Gütertransport errichtet und wird heute nur noch sporadisch für Sonderzüge genutzt.
Die Idee, die bestehende Infrastruktur für den Personenverkehr zu öffnen, war Teil der S-Link-Planungen, die jedoch nicht realisiert wurden. Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl sieht dennoch Chancen zur Verbesserung der Mobilität ohne den Bau neuer Großprojekte. Entlang der Stieglbahn-Trasse entstehen neue Wohn- und Arbeitsstandorte, wie etwa die Aldi-Süd-Zentrale und das Wohnprojekt „Glangärten“. Doch die technischen Hürden sind nicht zu unterschätzen: Die Bahnlinie ist eingleisig, nicht elektrifiziert und quert mehrere Straßen, was die Kapazitäten ab Anschluss in Salzburg-Aiglhof zusätzlich begrenzt.
Herausforderungen der Stieglbahn
Die Nachfrage nach einem Personenverkehr auf der Stieglbahn scheint niedrig zu sein, sodass eine wirtschaftlich tragfähige Betriebsführung in weiter Ferne liegt. Laut einer älteren Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2021 ist die Fahrgastnachfrage einfach nicht ausreichend, um den Betrieb rentabel zu gestalten. Die Investitionskosten für die Umstellung auf Personenverkehr werden auf etwa 30 Millionen Euro geschätzt. Zudem ist die Stieglbahn im aktuellen Nahverkehrsplan bis 2027 nicht vorgesehen, der sich auf das Obus- und Regionalbus-Netz sowie ein neues Linienkonzept konzentriert.
Die Stieglbahn selbst ist eine 3,4 Kilometer lange Schleppbahn in den Stadtteilen Lehen und Maxglan. Sie zweigt 1,9 Kilometer westlich des Salzburger Hauptbahnhofs bei der Haltestelle Salzburg Aiglhof von der Strecke Rosenheim–Salzburg ab. Seit 1988 ist die Bahn auch für den Personenverkehr zugelassen, wird jedoch planmäßig ausschließlich im Güterverkehr betrieben. Anfänglich gehörte die Infrastruktur der Brauerei, die Betriebsführung wurde später an die Salzburger Eisenbahn- und Tramway-Gesellschaft (SETG) vergeben.
Die Mobilitätsstrategie der Stadt
Die Stadt Salzburg hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu werden. Ein wichtiger Baustein dieser Strategie ist der neue Mobilitätsplan 2040, der die strategische Richtung für die Verkehrswende vorgeben soll. Bürgermeister Bernhard Auinger und Verkehrsstadträtin Anna Schiester haben im Mobilitätsbericht 2025 aktuelle und zukünftige Projekte präsentiert, die in die Planung einfließen werden. Diese Maßnahmen umfassen unter anderem den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Schnellbusse und ein modernes Bikesharing-System, das ab 2026 in Betrieb genommen werden soll.
Ein leistungsfähiger Schienenverkehr wird als essenziell erachtet, um eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen. Es bleibt abzuwarten, ob und wann die Stieglbahn Teil dieser Mobilitätsstrategie wird. Kritiker wie NEOS-Gemeinderat Lukas Rupsch bemängeln jedoch einen fehlenden Plan B und ein umfassendes Gesamtkonzept für die Stadt und das Umland. Die kommenden Jahre könnten entscheidend dafür sein, wie sich die Verkehrsinfrastruktur in Salzburg entwickeln wird.