Neue Namen für alte Wunden: Salzburgs Weg zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
In der Stadt Salzburg tut sich etwas – und zwar nicht nur im Hinblick auf die atemberaubende Landschaft, sondern auch in einem ganz anderen, sehr wichtigen Bereich: den Straßennamen. Der Gemeinderat der Stadt hat beschlossen, vor den Wahlen im März 2029 gleich fünf Straßen umzubenennen, die nach Nationalsozialisten benannt sind. Na endlich könnte man sagen. Denn die Diskussionen über die NS-belasteten Namen ziehen sich schon seit geraumer Zeit durch die Stadt.
Die Entscheidung, die von der rot-rot-grünen Stadtkoalition getroffen wurde, ist das Ergebnis jahrelanger politischer Debatten und einer eingehenden Historiker-Expertise. Am kommenden Donnerstag soll im Kulturausschuss der Gemeinderat ein Beschluss zur Umbenennung gefasst werden. Und das ist nur der Anfang: Bis Ende 2028 plant man sogar, insgesamt sechs von 13 als hochbelastet eingestuften Straßen umzubenennen. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung!
Neue Namen für alte Wunden
Die Umbenennungen sind nicht einfach nur ein kosmetisches Update. Statt der bisherigen männlichen Nazi-Namen werden künftig weibliche Namen von Opfern des Nazi-Terrors und einer Widerstandskämpferin die Straßen zieren. So wird die Josef-Thorak-Straße in die Helene-von-Taussig-Straße umgetauft, die Hans-Pfitzner-Straße wird zur Anna-Reindl-Straße, und die Erich-Schenk-Straße erhält den Namen Elsa-Bienenfeld-Straße. Auch die Gustav-Resatz-Straße und die Erich-Landgrebe-Straße werden umbenannt, und zwar in Irma-Rafaela-Toledo-Straße und Maria-Johanna-Sedelmeier-Straße. Ein wichtiger Schritt, um das Gedenken an die Opfer wachzuhalten und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.
Die Stadt übernimmt dabei auch die Kosten für die Adressänderungen sowie die neuen Autobeschriftungen für die Anwohner. Ein weiterer positiver Aspekt dieser Umbenennungswelle ist die Tatsache, dass der Abschlussbericht des unabhängigen Beirats für NS-belastete Straßen aus 2021 mit seinen 1.100 Seiten die Biografien von 66 Personen analysiert hat, nach denen Straßen benannt sind. Darunter befinden sich sieben weitere „hoch belastete“ Persönlichkeiten, wie Herbert von Karajan und Ferdinand Porsche. Ein bisschen Zündstoff bleibt also für die Zukunft.
Ein langer Weg zur Aufarbeitung
In Salzburg gibt es insgesamt 1.156 benannte Verkehrsflächen, und das Thema NS-belastete Straßennamen ist alles andere als neu. Bereits 2013 beschloss der Gemeinderat, alle nach Personen benannten Verkehrsflächen mit Erläuterungstafeln auszustatten. Der Fachbeirat für Straßennamen, der 2015 ins Leben gerufen wurde, hat sich intensiv mit den Kriterien für die Einordnung von NS-belasteten Personen beschäftigt und so vielen Straßen ihren Namen genommen. Von den 201 Personen, nach denen Straßen benannt sind, lebten 201 in der NS-Zeit – das ist schon eine Hausnummer!
Das Projekt zur Aufarbeitung dieser dunklen Vergangenheit ist wichtig, nicht nur für die Stadt Salzburg, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt. Die Straßen, durch die wir täglich gehen, sind mehr als nur Verkehrsflächen; sie erzählen Geschichten. Und es ist an der Zeit, dass wir die Geschichten, die wir erzählen, auch mit Respekt und Anstand wählen. Wenn wir uns erinnern, können wir auch verhindern, dass sich solche Gräueltaten wiederholen. Ein Schritt nach dem anderen, könnte man sagen – und dieser Schritt ist ein bedeutender.
