Das Schneckenhaus: Wo Kunst und Geschichte in Salzburg lebendig werden
Es gibt Orte, die erzählen Geschichten – und das „Schneckenhaus“ ist so ein Platz. Hier verwaltet Vasitti Magnus das Erbe ihrer Eltern, Rosita und Josef Magnus. Ihr Vater, ein Meister seines Fachs, war ein bekannter Bildhauer in Salzburg. Was für eine Geschichte, oder? Josef Magnus begann 1947 mit dem Schnitzen von Holzfiguren für das Marionettentheater und schuf im Laufe seines Lebens über 800 Köpfe. Seine Werke sind in der Stadt überall zu finden; man könnte sagen, sie sind Teil des Salzburger Flairs. Ein echtes Highlight ist die 13 Meter hohe Plastik „Start“ am Flughafen – ein beeindruckender Anblick, der schon viele Reisende begrüßt hat.
Das „Schneckenhaus“, das Josef 1960 erwarb, ist mehr als nur ein Zuhause. 1963 bezog die Familie das einzigartige Gebäude, in dem auch die visionären Werke von Rosita Magnus, einer talentierten Malerin und Dichterin, ausgestellt sind. Ihre Kunstwerke, wie „Das arme, reiche Kind“ und „Die Neugewählte“, drücken tiefgehende Gedanken und Gefühle aus – eine Kombination aus Poesie und Malerei, die so typisch für sie ist. Doch das Schicksal war nicht immer gnädig. Ein verheerender Großbrand im Oktober 1992 zerstörte das Anwesen vollständig. Josef, der mit 83 Jahren wieder mit dem Wiederaufbau begann, hinterließ bis zu seinem Tod im Jahr 2005 ein stattliches Gebäude, das heute nicht nur Erinnerungen birgt, sondern auch familiäre Schätze, darunter die ersten Arbeiten von Vasitti.
Ein Meister der Bildhauerei
Josef Magnus, geboren am 26. Mai 1909 in Heidenoldendorf, war mehr als ein Bildhauer. Er war ein Künstler, der eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne schuf. Seine Jugendjahre verbrachte er in Hallein und lernte das Handwerk bei Jakob Adlhart. Sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin (1938-1944) war prägend. Die Zerstörung seiner Ateliers in Berlin und Straßburg durch die Kriegseinwirkungen konnte ihn jedoch nicht aufhalten. Seit 1946 lebte und arbeitete er in Salzburg und hinterließ viele Plastiken im öffentlichen Raum, die Ausdruck seiner Kunstfertigkeit und seines Schaffens sind.
Die Retrospektive, die derzeit in Salzburg zu sehen ist, zeigt nicht nur seine bekanntesten Werke aus verschiedenen Materialien wie Bronze, Terrakotta und Holz, sondern auch die Portraitbüsten und Objekte aus dem abgerissenen Salzburger Kongresshaus. Er war ein gefragter Künstler und erhielt zahlreiche Aufträge für öffentliche Werke und Auszeichnungen. Auch die Verleihung des Professoren-Titels durch den Bundespräsidenten im Jahr 1969 spricht Bände über seinen Einfluss und seine Bedeutung in der Kunstszene.
Ein kreatives Erbe
Vasitti Magnus hat das kreative Erbe ihrer Eltern weitergeführt. Als Kostüm- und Bühnenbildnerin hat sie für renommierte Theater, darunter das Salzburger Landestheater, Dirndlkleider, Schmuck-Colliers und Bühnenbilder geschaffen. Ihre Illustrationen und Zeichnungen für Bücher sind ebenfalls ein wichtiger Teil ihres Schaffens. Die Neugestaltung des Eingangsbereichs beim Schneckenhaus wurde von der Malkünstlerin Edith Sulzenbacher übernommen, was dem Ort einen frischen Anstrich verleiht und gleichzeitig die Tradition ehrt. Ein schöner Ort, um Kunst und Geschichte zu erleben!
Salzburg, mit seiner reichen Kunstgeschichte, ist ein fruchtbarer Boden für die kreative Ader, die durch die Straßen und Gassen dieser Stadt fließt. Hier wird Kunst nicht nur studiert, sondern auch gelebt. Die Abteilung für Kunstgeschichte an der Universität Salzburg bietet umfassende Einblicke in verschiedene Kunstrichtungen – von der frühmittelalterlichen bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Veranstaltungen zu Themen wie Städtebau oder Denkmalpflege geben einen spannenden Rahmen für alle Kunstliebhaber.
