Die malerische Stadt Salzburg, ein Ort, der für seine barocke Architektur und die beeindruckende Kulisse der Alpen bekannt ist, steht unter dem Druck des Massentourismus. Die 3sat-Reportage „Wo uns Touristen niederrennen – Übertourismus in Österreich“ beleuchtet, wie der Ansturm aus aller Welt, von Australien bis Peru, die Lebensqualität der Einheimischen beeinträchtigt. Besonders die Bewohner von Salzburg und Hallstatt, einem idyllischen Dorf mit nur 800 Einwohnern, äußern ihren Unmut über die schier unendlichen Ströme von Tagesausflüglern. Die Souvenirstandbetreiberin Susanna Mustafi bringt es auf den Punkt: „Es ist viel zu voll!“ Und das ist nicht nur ein Gefühl – die Zahlen sprechen für sich, Österreich verzeichnete im Jahr 2024 über 154 Millionen Übernachtungen, einen neuen Rekord!
Die Aggressivität der Touristen nimmt zu, warnt Claudia Schmidt, eine Anwohnerin der Altstadt. Müllprobleme, die vom Mesner des Salzburger Doms angesprochen werden, machen die Sache nicht besser. Die ruhigen, historischen Ecken, die einst den Charme der Stadt ausmachten, sind vom Ansturm der Massen überlagert. Hallstatt, das kleine Bergdorf, hat es in den letzten Jahren besonders hart getroffen. Bis zu 10.000 Besucher pro Tag belagern die Straßen – und das in einem Dorf, das für seine beschauliche Atmosphäre bekannt ist. Einmal waren es schon 35 Reisebusse täglich, ein Anblick, der einen zum Schaudern bringt.
Ein Rückzugsort für Einheimische
Um den Anwohnern einen Rückzugsort zu bieten, wurde ein Wochenmarkt eingerichtet – eine Art Oase inmitten des touristischen Treibens. Verena Lobisser, Wirtin in Hallstatt, fordert eine drastische Reduzierung der Besucherzahlen auf maximal 6.000 Tagesbesucher. Der Gedanke, dass viele Touristen sich nicht einmal der historischen Bedeutung und dem Welterbe-Status der Region bewusst sind, schmerzt die Einheimischen besonders. Nur 15 bis 20 Besucher pro Tag finden den Weg ins historische Museum in Hallstatt, während die Straßen vor den malerischen Kulissen überquellen.
Doch das Phänomen des Overtourismus ist nicht nur ein lokales Problem. In ganz Europa, von Venedig bis Amsterdam, kämpfen Städte mit ähnlichen Herausforderungen. Die Pandemie hat zwar kurzfristig Erleichterung gebracht – im Sommer 2021 war Hallstatt fast menschenleer – aber der Sommer 2023 setzte neue Rekorde: 39,5 Millionen Nächtigungen zwischen Mai und Juli, der höchste Wert seit 1980. Das ist erschreckend und lässt einen fast den Atem anhalten.
Maßnahmen gegen den Ansturm
Manche Orte versuchen bereits, dem Massentourismus entgegenzuwirken. Venedig plant Eintrittsgelder für Besucher, während Amsterdam die Touristensteuer erhöht. Hallstatt hat sogar einen „Anti-Selfie-Zaun“ errichtet, um den Touristen das Fotografieren am Seeufer zu erschweren – ein Schritt, der zeigt, wie weit die Verzweiflung geht. Einheimische empfinden den Massentourismus zunehmend als Belastung, und das Gefühl, dass geheime Dorfmärkte zum Rückzugsort werden, ist nicht nur ein Scherz. Es zeigt, wie tief der Konflikt zwischen Einheimischen und Besuchern geht.
Der Tourismus ist eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits bringt er Einnahmen und Beschäftigung, andererseits führt er zu einem Verlust der Lebensqualität für die Anwohner. Overtourismus wird 2024 ein zentrales Thema im globalen Tourismus sein, und es ist höchste Zeit, dass sowohl Besucher als auch Destinationen Verantwortung übernehmen. Vielleicht sollten wir uns alle fragen, was wir bereit sind, für den Erhalt dieser wunderschönen Orte zu tun – und ob wir wirklich jeden Ort überfluten müssen, nur um ein „Selfie“ zu schießen.
