Am Montag, dem 11. Mai 2026, wurden in Saalfelden mehrere Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Eine besondere Initiative, die nicht nur die Vergangenheit ins Gedächtnis ruft, sondern auch eine Brücke in die Gegenwart schlägt. Die KPÖ übernahm die Patenschaften für die Stolpersteine von drei Kommunisten, die während der NS-Zeit ermordet wurden: Magnus Scholz sowie Albert und Johann Wieser. Diese kleinen, aber eindrucksvollen Gedenksteine sind das Ergebnis einer Kooperation des Projekts „Orte des Gedenkens“ mit dem Gymnasium Saalfelden.

Die Schülerinnen und Schüler der 8A haben unter der Anleitung von Dr. Andrea Dillinger die Biografien der Widerstandskämpfer recherchiert. Die Verlegung der Stolpersteine wurde von KPÖ-Klubobfrau Natalie Hangöbl begleitet, die die Bedeutung der Erinnerung an kommunistische Widerstandskämpfer in den Vordergrund stellte. Gerade in einer Zeit, in der das Gedenken an historische Ungerechtigkeiten oft in den Hintergrund gerät, ist es umso wichtiger, solche Initiativen zu unterstützen.

Ein Blick in die Geschichte

Ein wenig mehr über die Schicksale der drei Männer, an die nun erinnert wird, ist notwendig, um die Tragik und das Unrecht zu verstehen, das sie erlitten haben. Magnus Scholz erblickte am 4. November 1905 in Saalfelden das Licht der Welt. Er war Mitglied einer kommunistischen Zelle und wurde am 4. November 1939 von der Gestapo verhaftet. Nach etwa acht Monaten hinter Gittern kehrte er 1940 nach Saalfelden zurück. Dort heiratete er 1941 Cäcilia Lechner, doch die Freude währte nicht lange – Scholz starb im Oktober 1945 an den Folgen seiner Haft. Ein Antrag seiner Witwe auf Entschädigung wurde immer wieder verschleppt und nur geringfügig anerkannt. Traurig, nicht wahr?

Albert Wieser, geboren am 27. März 1887 in Mittersill, lebte ein Leben, das durch den Ersten Weltkrieg stark geprägt wurde. Er war bis 1914 Säger, fand danach in verschiedenen Berufen, unter anderem als Marktfahrer und Lebensmittelhändler in Saalfelden, seinen Lebensunterhalt. Im Oktober 1938 wurde auch er aufgrund seiner politischen Äußerungen verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Haft kam er ins KZ Sachsenhausen und später ins KZ Dachau, wo er am 4. Dezember 1942 ums Leben kam – die genauen Umstände bleiben unklar.

Sein Sohn Johann wurde 1940 von der Gestapo verhaftet und ohne Verhandlung ins KZ Mauthausen überstellt. Die Schicksale dieser Familien sind nur einige der vielen, die die dunkle Zeit des Nationalsozialismus geprägt haben. Die Stolpersteine sollen nicht nur an diese Menschen erinnern, sondern auch verdeutlichen, dass Verfolgung und Terror mitten unter uns stattfanden. Ein wichtiger Aspekt des Gedenkens, den wir nicht aus den Augen verlieren sollten.

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Das Projekt Stolpersteine

Die Stolpersteine, die wir heute sehen, sind nicht nur einfach Gedenksteine, sie sind Teil eines groß angelegten Kunstprojekts des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Dieses Projekt hat bereits über 100.000 Gedenksteine in ganz Europa hervorgebracht. Quadratische Steine, etwa 10×10 cm groß, mit Messingschildern, die in den Gehweg eingelassen sind. Sie erinnern an die vielen Opfer des Nationalsozialismus, darunter Juden, politisch Verfolgte, Roma, Sinti und viele andere.

Weltweit gibt es Stolpersteine in über 1.800 Kommunen, und die Zahl wächst stetig. In Hamburg alleine gibt es rund 7.000 Stolpersteine – der erste wurde 2002 verlegt. Kritiker wie Charlotte Knobloch sehen in den Stolpersteinen eine Missachtung der Opfer, während andere das Projekt für seine Bedeutung und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit loben. Ein schwieriges Thema, bei dem die Meinungen weit auseinandergehen.

Ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus findet am 27. Januar statt. Zudem gibt es regelmäßig Putz-Aktionen, die zum Ziel haben, die Gedenksteine in einem ansprechenden Zustand zu halten – und das oft an symbolträchtigen Tagen wie dem Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November.

Die Stolpersteine sind mehr als nur Steine; sie sind ein lebendiger Teil unserer Geschichte und eine Einladung, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie fördern das Bewusstsein und die Zusammenarbeit zwischen Überlebenden, Angehörigen und der Gesellschaft. Ein Kunstdenkmal, das als soziale Skulptur bezeichnet wird, weil es die Menschen zusammenbringt und eine gemeinsame Erinnerung schafft.

So haben auch die Schülerinnen und Schüler der 8A in Saalfelden einen wertvollen Beitrag geleistet, indem sie sich mit den Biografien und Geschichten der Widerständigen auseinandergesetzt haben. Ihre Arbeit wird nicht vergessen werden – und die Stolpersteine werden dafür sorgen, dass auch zukünftig niemand die Namen derjenigen vergisst, die für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft haben.