Heute ist der 13. Mai 2026, und in Salzburg stehen große Veränderungen an. Die Stadt plant einen Umbau des Altstadtkerns, um den Individualverkehr zu reduzieren und eine möglichst autofreie „Stadt für Menschen“ zu schaffen. Ein ambitioniertes Projekt, das mit Kosten von knapp 13 Millionen Euro verbunden ist. Geplant ist die Umgestaltung vom Universitätsplatz bis zum Museumsplatz, wobei die Durchfahrt für private Autos weitgehend ausgeschlossen werden soll. Nur Anrainer:innen, Lieferverkehr und Busse dürfen auf einer eigenen Spur fahren.
Doch nicht alle sind begeistert von diesen Plänen. Andrea Pichler, 42 Jahre alt und aus Thalgau, hat große Bedenken. Sie sitzt im Rollstuhl und weiß nur zu gut, wie schwierig der Zugang zu öffentlichen Räumen für Menschen mit Behinderungen oft ist. „Wir werden einfach vergessen“, sagt Pichler und spricht damit ein zentrales Problem an. Um in die Stadt zu gelangen, benötigt sie etwa eineinhalb Stunden Vorlaufzeit, und das Ganze ist mit einem enormen Stress verbunden. „Die Parkplatzsituation ist katastrophal. Oft sind die Behindertenparkplätze zu klein oder von Falschparkern besetzt. Das Ein- und Aussteigen aus dem Auto wird zum Drahtseilakt“, schildert sie ihre Erfahrungen.
Barrierefreiheit als Herausforderung
Die Kritik von Pichler ist nicht unbegründet. Auch die Stadtpolitik hat die Sorgen erkannt. Planungsstadträtin Anna Schiester hat betont, wie wichtig Barrierefreiheit in den Umgestaltungsprozessen ist. Expert:innen für Barrierefreiheit sollen in zukünftige Planungen einbezogen werden. Doch was bedeutet Barrierefreiheit eigentlich? Es geht nicht nur um Rampen und Türschwellen, wie Verena Hubertz, die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, klarstellt. Barrierefreiheit ist vielschichtig und umfasst die Gestaltung von Wohnraum, öffentlichen Gebäuden und Infrastrukturen, die für alle Menschen zugänglich sind.
Beispiele aus anderen Städten zeigen, wie wichtig Barrierefreiheit ist. In Esslingen wurde die Eberhard-Bauer-Sporthalle barrierefrei saniert, und in Kiel erkannten die Bewohner bei Rundgängen mit Rollstühlen Barrieren im Alltag. Solche Initiativen fördern nicht nur den Komfort, sondern auch die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Das Bundesministerium arbeitet eng mit Städten und Kommunen zusammen, um eine inklusive Umwelt zu schaffen.
Ein Blick über die Grenzen
Ein weiteres spannendes Thema ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 in Deutschland gilt. Ein Forschungsprojekt hat gezeigt, dass nur 41 % der Städte mit über 50.000 Einwohnern Pläne zur Umsetzung dieser Konvention haben. Viele Kommunen zögern bei Investitionen in Barrierefreiheit, oft aus finanziellen Gründen. Dabei ist es wichtig, dass Menschen mit Behinderungen aktiv in Planungsprozesse einbezogen werden. Nur so können praxistaugliche Lösungen gefunden werden, die den Bedürfnissen aller gerecht werden.
In Salzburg stehen wir also an einem Wendepunkt. Die Pläne für eine autofreie Innenstadt können eine Chance sein, wenn sie richtig umgesetzt werden. Barrierefreiheit sollte dabei nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern ernsthaft in den Mittelpunkt gerückt werden. Denn letztlich betrifft es uns alle – eine Stadt für Menschen sollte für alle Menschen zugänglich sein, ohne Wenn und Aber.