Am 4. August 2026 wird in der Felsenreitschule Salzburg ein ganz besonderes Ereignis über die Bühne gehen: Maxime Pascal dirigiert die Oper „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen zum dritten Mal. Es ist ein Werk, das nicht nur in der Musikwelt für Aufsehen sorgt, sondern auch ein echtes Schwergewicht ist – mit einer Partitur von über 2500 Seiten! Das klingt schon nach einer echten Herausforderung. Ein Koffer, der das gesamte Notenmaterial transportiert, lässt erahnen, welche Dimensionen dieses Meisterwerk hat.

Die Oper gilt als Messiaens Opus magnum und thematisiert den Glauben, die Figur des Franz von Assisi und den Gesang der Vögel. Messiaen selbst hat über ein Jahrzehnt an dieser Komposition gearbeitet, die 1983 in Paris uraufgeführt wurde. Die Neuinszenierung in Salzburg fällt nicht nur in das Jahr des 800. Todesjahres von Franz von Assisi, sondern ist auch das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Regisseur Romeo Castellucci und dem Dirigenten Pascal. Castellucci, der für seine eindringlichen Inszenierungen bekannt ist, schätzt die Felsenreitschule als besonderen Raum – sie erinnert ihn an den Berg La Verna, wo Franziskus die Stigmata empfangen hat.

Ein Chor und seine Herausforderungen

Philippe Sly, der im Jahr 2012 am Young Singers Project teilnahm, wird die Rolle des Heiligen Franziskus singen. Ein echtes Debüt für ihn in einer einzigartigen Rolle im Opernrepertoire! Sly beschreibt die Herausforderung, die diese Rolle mit sich bringt: Sie ist sanft und ergonomisch, was die Interpretation umso spannender macht. Die Oper hat eine Spielzeit von mehr als vier Stunden und ein Drittel davon widmet sich dem Gesang der Vögel. Messiaens Leidenschaft für Ornithologie spiegelt sich hier wider – er hat Vogelgesänge notiert und sie in seine Kompositionen integriert.

Messiaens Werk vereint Glauben, Natur und Klangfarben, und wird von einem groß besetzten Orchester und Schlagwerk begleitet. Interessanterweise sind die Instrumente so positioniert, dass das Publikum von allen Seiten umgeben wird. Ein Ondes Martenot wird an drei verschiedenen Stationen erklingen, ein Instrument, das Messiaen häufig verwendet hat. Der große Chor wird die Worte Christi singen, ohne dass eine visuelle Darstellung Gottes oder Christi erfolgt. Das schafft eine fast meditative Atmosphäre, die man nicht missen möchte.

Ein persönliches Bekenntnis

Messiaen war nicht nur ein genialer Komponist, sondern auch tiefgläubig und eng mit der katholischen Kirche verbunden. Schon in seinem Klavierzyklus „Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus“ zeigte er seine Verbindung zum Glauben. Die Oper selbst ist ein persönliches religiöses Bekenntnis, das auf der Vita des Heiligen Franziskus von Thomas von Celano basiert. Messiaen hat nicht nur die Musik, sondern auch das Libretto selbst verfasst, wobei er wörtliche Texte des Heiligen Franziskus und Bibelzitate übernommen hat. Diese Verbindung von Musik und Text ist einmalig.

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Die Premiere der Oper in Salzburg wird also mehr als nur eine Aufführung sein. Sie wird ein Ereignis, das die Zuschauer in die Welt des Heiligen Franziskus entführt und sie zum Nachdenken anregt. Mit all den Herausforderungen, die die Aufführung mit sich bringt, und den tiefen Themen, die angesprochen werden, ist es kein Wunder, dass „Saint François d’Assise“ als Hauptwerk der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts gilt. Es gibt nicht viele Stücke, die eine solch intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz und dem Glauben bieten.