Heute ist der 31.05.2026 und die Menschen in Salzburg sind voller Vorfreude auf das diesjährige Mozartfest. Ein Ereignis, das in Krisenzeiten wie diesen mehr denn je nach verbindenden Elementen sucht. Evelyn Meining, die Intendantin des Festivals in Würzburg, hat mit dem Motto „Idol Mozart – beschworene Schönheit“ ein Zeichen gesetzt. Es geht darum, die Kraft von Mozarts Musik zu feiern, die nicht nur damals, sondern auch heute als Provokation empfunden wurde. Besonders spannend wird es, wenn man bedenkt, dass seine Frau Constanze nach seinem Tod alles daran setzte, ihn als Genie zu stilisieren – und das nicht nur aus Liebe, sondern auch, um eine nationale Einheit zu fördern.
Die Eröffnung des Festivals war ein fulminantes Fest mit dem Mozarteumorchester Salzburg. Sie spielten Mozarts Sinfonie in g-Moll sowie Werke von Maurice Ravel und Sergej Prokofjew. Ravel, der Mozart als „Idol einer untergegangenen Zeit“ bezeichnete, hat mit „Le Tombeau de Couperin“ eine Hommage an seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunde geschaffen. Diese Verbindung zwischen Musik und Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch das Festival und die Zeit.
Die Magie der Musik
Ein weiteres Highlight war die Geigerin Tianwa Yang, die als Solistin im Violinkonzert von Prokofjew auftrat. Ihr Spiel war so beeindruckend, dass das Publikum sie mit frenetischem Applaus belohnte. Yang, die in diesem Jahr die Rolle der „Artiste Etoile“ des Mozartfests innehat, sieht Mozart ebenfalls als Idol, hat aber eine erfrischende Sichtweise: Musiker sollten keine ängstliche Ehrfurcht empfinden. Stattdessen fordert sie dazu auf, sich mit der Musik auseinanderzusetzen und auch zeitgenössische Klänge zu erkunden. Es ist diese Mischung aus Respekt und Neugier, die die Atmosphäre des Festivals prägt.
Prokofjew, der in den 1930er-Jahren während seines Exils sein zweites Violinkonzert schrieb, erlebte selbst eine Zeit voller Herausforderungen. Er war ein Komponist, der nie stillstand – von seinen ersten Tourneen in der Sowjetunion bis zu den künstlerischen Kontroversen, die ihn begleiteten, wie bei der Ablehnung seines Balletts „Le pas d’acier“ durch die Bolshoi Theater. Die Machtmechanismen, die hinter großen Komponisten stehen, thematisiert auch der deutsch-türkisch-armenische Komponist Marc Sinan in seiner Lecture-Performance „Nichts ist heilig“. Er stellt Fragen zur Musikgeschichte und den kulturellen Kontexten, in denen diese entstanden sind.
Ein Blick in die Zukunft
Optimistisch blickt Evelyn Meining darauf, dass Mozart als Idol bestehen bleibt, auch in einer Welt, die sich ständig wandelt. Sehen wir uns die Musik von Prokofjew an, der in den 1920er-Jahren seine Third Symphony vollendete und von Serge Koussevitzky als „die größte Sinfonie seit Tchaikovskys Sechster“ bezeichnet wurde – man spürt, dass auch in seinen Werken ein Ringen um Klarheit und Ausdruck steckt. Und das zieht sich bis in die Gegenwart.
Ein besonderes Highlight wird die Uraufführung der „Jupiteretüde“ sein, die speziell für Tianwa Yang von Jörg Widmann komponiert wurde. Dieses Stück wird am 26. Juni in Würzburg zur Aufführung kommen und verspricht, die Verbindung zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik weiter zu vertiefen. Die Kraft, die von diesen Klängen ausgeht, hat das Potenzial, auch in Krisenzeiten eine Brücke zu schlagen. So zeigt das Mozartfest, dass Musik mehr ist als nur Unterhaltung – sie ist ein Lebenselixier, das uns alle miteinander verbindet.
