Die Salzburger Festspiele, seit 1920 ein fester Bestandteil der Kulturgeschichte Österreichs, haben wieder ihre Tore geöffnet und ziehen Jahr für Jahr bis zu 40.000 Besucher an. Auf dem prächtigen Domplatz, der wie ein historisches Theater im Freien wirkt, stehen die Menschen in eleganten Trachten, das Wetter stets im Hinterkopf, während sie auf die Neuinszenierung von „Jedermann“ warten. Regisseur Robert Carsen und Schauspieler Philipp Hochmair präsentieren das Stück in seiner dritten Auflage – und sie haben sich nicht lumpen lassen.

„Jedermann“, das Meisterwerk von Hugo von Hofmannsthal, erzählt von einem wohlhabenden Mann, der plötzlich mit dem Tod konfrontiert wird. Diese Thematik von Reichtum und der Gleichheit aller Menschen im Angesicht des Todes zieht sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung. Carsens Interpretation, die die Höhen und Tiefen des Kapitalismus beleuchtet, zeigt den Protagonisten als einen neureichen, unangenehmen Charakter. Hochmairs Darstellung – so wird berichtet – wirkt auf das Publikum nicht unbedingt identifizierbar. Ein bisschen wie ein Geizling aus Dickens‘ „A Christmas Carol“, jedoch mit einer Prise mehr Selbstbezogenheit.

Die Inszenierung im Detail

In dieser Version wechselt Hochmair von glitzernden Kostümen zu grauen Arbeitsklamotten und schließlich zu einem strahlend weißen Anzug. Ein interessantes Bild, das den Wandel des Charakters unterstreicht – oder ist es eher eine Art von Unglaubwürdigkeit? Am Ende bleibt er für viele Zuschauer ein wenig zu unsympathisch. Die Inszenierung ist gespickt mit humorvollen Anspielungen, die sogar den Titel in „Jedermair“ ummünzen. Roxane Duran als Buhlschaft kann dem Jedermann nicht helfen, und das lässt einen schon nachdenklich zurück.

Die musikalische Untermalung, unter anderem von Arvo Pärt und Louis Vierne, fügt der Aufführung eine beeindruckende Tiefe hinzu. Besonders hervorzuheben ist die Musikeinlage von Lukas Vogelsang, die das Publikum in ihren Bann zieht. Und wenn der Teufel, gespielt von Christoph Luser, als Katalysator für den Protagonisten auftritt, wird die kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus noch spürbarer. Das Schlussbild, mit einer großen Besetzung in weißen Kutten, vermittelt stark das Gefühl von Tod und Gleichheit vor Gott – es ist ein visueller Höhepunkt der Inszenierung.

Ein Stück für die Ewigkeit

„Jedermann“ hat sich über die Jahre nicht nur als Theaterstück, sondern als kulturelles Phänomen etabliert. Jährlich wird es auf dem Domplatz aufgeführt, und im Falle von Schlechtwetter findet die Aufführung im Großen Festspielhaus statt. Trotz der kritischen Stimmen, die eine fehlende Nuance und übertriebene Gesten in der Inszenierung bemängeln, bleibt die Faszination für das Stück ungebrochen. Vielleicht ist es diese Kombination aus zeitloser Thematik und der spektakulären Kulisse, die „Jedermann“ zu einem barocken Herzstück der Salzburger Festspiele macht.

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Die nächsten Aufführungen sind bereits für 2026 in Planung, und man darf gespannt sein, in welchen neuen Facetten das Stück dann erstrahlen wird. In einem Podcast wird über die Aktualität des Werkes diskutiert, und man fragt sich – wie wird die Geschichte des Jedermann in der heutigen Welt erzählt? Die Fragen nach Wert, Besitz und Beziehungen sind so relevant wie eh und je.