Die Landwirtschaftskammer Salzburg sieht sich in den letzten Wochen mit einem Sturm an Vorwürfen konfrontiert, die nicht nur das Vertrauen in die Institution erschüttern, sondern auch schwer wiegende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Eine im Vorjahr entlassene Abteilungsleiterin erhebt schwere Vorwürfe, die den Verdacht der Manipulation von Hearing-Ergebnissen aufwerfen. Sie hat bereits Anzeige erstattet und spricht von patriarchalen und misogynen Strukturen, die dazu führten, dass sie bei der Besetzung des Kammeramtsdirektors nicht berücksichtigt wurde. Der neue Direktor, Franz Wieser, war zuvor Büroleiter zweier Agrarlandesräte und hat den Posten trotz eines Punktegleichstands mit der Abteilungsleiterin, die Juristin mit Wirtschaftsstudium ist, erhalten.

Die Vorwürfe kommen nicht von ungefähr. Vor allem die fristlose Entlassung des langjährigen Direktors Nikolaus Lienbacher und einer weiteren Abteilungsleiterin sowie die Bilanzverluste in Millionenhöhe werfen Fragen auf. Lienbacher, der die Entscheidung über die umstrittene Überweisung von 38.000 Euro an die Abteilungsleiterin traf, wurde ebenfalls fristlos entlassen. Die Rechtsstreitigkeiten wegen dieser Entlassungen sind noch nicht abgeschlossen, und die Staatsanwaltschaft Salzburg prüft die Anzeige der Abteilungsleiterin, während die Mitglieder der Hearing-Kommission die Unschuldsvermutung genießen.

Diskriminierung im öffentlichen Sektor

Ähnliche Vorwürfe sind auch aus dem Umweltministerium bekannt geworden. Unter der ehemaligen Ministerin Leonore Gewessler wurden Personalentscheidungen getroffen, die mit „sachfremden Motiven“ in Verbindung gebracht werden. Eine langjährige Führungskraft, die sich um einen Posten bewarb, wurde übergangen, und auch hier wird von Diskriminierung aufgrund von Alter und Weltanschauung gesprochen. Das Gutachten der Bundes-Gleichbehandlungskommission stellt fest, dass die Bewerberinnen nicht gleich behandelt wurden und somit die langjährige Erfahrung der Unterlegenen nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Für die unterlegene Bewerberin könnte das rechtliche Folgen haben. Sie hat bereits Klage vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien eingereicht. Das Klima- und Umweltschutzministerium, mittlerweile unter ÖVP-Führung, hat die Klage bestätigt. In der politischen Diskussion wird von den Grünen betont, dass fachliche Qualifikation und Expertise die entscheidenden Kriterien bei Besetzungen sein sollten. Die ÖVP hingegen fordert eine lückenlose Aufklärung der Personalentscheidungen, während die FPÖ eine umfassende Überprüfung aller Postenvergaben der schwarz-grünen Vorgängerregierung ins Spiel bringt.

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Im Hintergrund all dieser Vorfälle steht ein größeres gesellschaftliches Problem: Postenschacher. Dieser Begriff beschreibt parteipolitisch motivierte Personalentscheidungen im öffentlichen Sektor und wird von vielen Bürgern als ernsthaftes Problem wahrgenommen. Ein Blick auf die jüngsten Skandale, wie den Fall von ÖVP-Klubobmann August Wöginger, der sich wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch verantworten muss, zeigt, dass die Thematik nicht nur die Landwirtschaftskammer oder das Umweltministerium betrifft. Im Jahr 2017 wurde eine unterlegene Kandidatin aufgrund ihrer weltanschaulichen Ansichten benachteiligt, und dieser Fall landetete beim Bundesverwaltungsgericht.

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Das Ganze wirft die Frage auf, wie es um die Transparenz und Fairness im öffentlichen Dienst wirklich bestellt ist. In einem Land, in dem viele die Hoffnung auf objektive Entscheidungen in der Politik hegen, ist es erschreckend, dass solche Vorfälle immer wieder ans Licht kommen. Der Ruf nach einer Reform und nach mehr Chancengleichheit wird lauter – doch die Lösung scheint weit entfernt zu sein.