Die Hitzewelle hat uns fest im Griff. In Salzburg spüren wir die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur im Alltag, sondern auch in der Natur. Meteorologin Claudia Riedl von GeoSphere Austria hat in einem Interview spannende Einblicke gegeben. Der Frühling 2023 war nicht nur zu trocken, sondern auch viel zu warm. Wenn man über die Straßen schlendert, fallen einem die vielen Sonnenstunden auf – ein Genuss, ja, aber auch ein Zeichen für die Herausforderungen, die uns bevorstehen. Ab Mitte Mai soll es zwar eine Wetterumstellung geben, die uns mit flächendeckendem Regen versorgt, doch bis dahin müssen wir uns mit der Hitze arrangieren.
Die Zahlen sprechen für sich: In der Zeitspanne von 1981 bis 2010 hatten wir in Salzburg im Schnitt 10 Hitzetage pro Jahr. Zwischen 1991 und 2020 waren es schon 17! Und der Trend zeigt nach oben. Zukünftig rechnen die Fachleute mit einer Zunahme nicht nur von Hitzetagen, sondern auch von heftigen Starkregenereignissen. Die Natur reagiert längst auf den Klimawandel – die Frühlingserblühen kommen mittlerweile zwei Wochen früher, die Herbstverfärbung zieht sich dafür zwei Wochen länger hin, und die Schneedecke im Winter wird immer dünner. Vor allem die Altstadt, Schallmoos, Teile der Alpenstraße, Lehen, Itzling, Mülln und Gnigl sind von diesen Veränderungen betroffen.
Grünoasen in der Stadt
Doch Salzburg hat das große Glück, mit viel Grün und seinen Stadtbergen gesegnet zu sein, die uns ein wenig Kühlung schenken. Aber das reicht nicht aus, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Es bedarf neuer Maßnahmen, um die Stadt anzupassen. Ideen wie das Schaffen von Schatten, Dach- und Fassadenbegrünungen, Entsiegelung von Plätzen und der Zugang zu Gewässern sind essenziell. Ein neues Projekt, die mobile Stadt-Oase am Kapitelplatz, wird im Juni starten und soll uns an heißen Sommertagen ein wenig Erfrischung bringen. Man darf gespannt sein, wie viel Schatten und Frische diese Oase bringen wird!
Ähnlich wie in Deutschland, wo die mittlere jährliche Lufttemperatur in den letzten 130 Jahren um etwa 1 Grad gestiegen ist, sieht es auch in Österreich aus. Der Klimawandel beschleunigt sich und bringt eine Zunahme wetterbedingter Extremsituationen mit sich. Die Schäden, die aus Hitzeperioden und Starkniederschlägen resultieren, bringen gesellschaftliche, gesundheitliche und wirtschaftliche Belastungen mit sich. Urbane Räume wie unsere geliebte Stadt Salzburg sind besonders anfällig, da hier hohe Bebauungs- und Bewohnerdichte auf komplexe Infrastruktur trifft.
Strategien zur Anpassung
Die Notwendigkeit zur Entwicklung integrierter und vorausschauender Strategien für Klimaschutz und Anpassung wird immer deutlicher. Ein Blick in die deutsche Anpassungsstrategie zeigt, dass solche Strategien auch für uns sinnvoll wären. Sie orientiert sich an den Prinzipien der Vorsorge und Nachhaltigkeit und fordert Untersuchungen zu Gesundheitsgefährdungen durch Hitzebelastung und Extremereignisse in städtischen Ballungszentren. Es ist wichtig, dass unsere Stadtentwicklung die Auswirkungen des Klimawandels bis zur Mitte dieses Jahrhunderts berücksichtigt.
Die Stadtklimamodellierung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Modelle wie PALM-4U helfen dabei, lokale Hitze- und Schadstoffbelastungen zu prognostizieren. Solche Daten sind entscheidend, um effektive Klimaanpassungsmaßnahmen zu konzipieren und deren Wirksamkeit zu bewerten. Weiß man, wo die Hitze-Hotspots liegen, kann man gezielt gegensteuern – sei es durch das Anlegen von Grünflächen oder durch das Entsiegeln von Plätzen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat den DLR Projektträger beauftragt, Konzepte zur Stadtklimamodellierung zu entwickeln. Vorher war die Forschungslandschaft zur Stadtklimamodellierung ziemlich fragmentiert. Jetzt gibt es eine Vision für ein ganzheitliches, gebäudeauflösendes Stadtklimamodell. Bei dieser Entwicklung wird auch die Zusammenarbeit mit kommunalen Fachleuten großgeschrieben, sodass die Maßnahmen direkt aus der Praxis kommen und die Bedürfnisse der Stadtbewohner einfließen.
Wenn wir nicht handeln, werden wir die Konsequenzen eines sich verändernden Klimas deutlich zu spüren bekommen. Die Luft wird dicker, die Straßen heißer – und das nicht nur in Salzburg. Es liegt an uns, die Weichen für eine kühlere, lebenswertere Zukunft zu stellen. Vielleicht wird die mobile Stadt-Oase am Kapitelplatz ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein.