Heute ist der 2. Juni 2026 und die Stadt Salzburg hat einen neuen Ort des Gedenkens und der Reflexion eröffnet. Eine inklusive Ausstellung an der Theologischen Fakultät beleuchtet die düstere Geschichte der NS-„Euthanasie“-Morde. Diese Schau, die bis Ende Juni zu sehen sein wird, ist das Ergebnis monatelanger Forschungsarbeit von rund 50 Studierenden und Schülerinnen. Ein wirklich beeindruckendes Projekt, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Emotionen weckt. Die Projektleiterin Elfriede Windischbauer von der PH Salzburg hebt die Bedeutung dieser Ausstellung für unsere demokratische Gesellschaft hervor – und das ist auch mehr als nur ein Lippenbekenntnis.
Die 22-jährige PH-Studentin Daniela Mayr bringt es auf den Punkt: „Die Euthanasie begann nicht mit der Ermordung, sondern mit dem Absprechen des Menschseins.“ Ein Satz, der einem direkt ins Herz trifft. Und die 18-jährige Rebeka Fülöp von der HLWM Annahof Salzburg hat durch die Arbeit an dieser Ausstellung einen völlig neuen Blick auf Gedenkorte in Salzburg gewonnen. Es ist bemerkenswert, wie die jungen Menschen hier aktiv an der Aufarbeitung der Geschichte mitwirken und sich dem Thema stellen.
Ein dunkles Kapitel der Geschichte
Die Ausstellung thematisiert nicht nur die Opfer, sondern gewährt auch Einblicke in die Täter und Täterinnen. Sie würdigt den Mut zum Protest, besonders das Engagement von Schwester Anna Bertha Königsegg, die sich gegen die Euthanasie-Maßnahmen stellte und dafür verhaftet wurde. Das ist es, was diese Schau so besonders macht: Sie gibt den Opfern ein Denkmal, während sie gleichzeitig die Schrecken der Vergangenheit aufdeckt.
Nach dem „Anschluss“ an das NS-Reich wurden Gesetze erlassen, die behinderten und kranken Menschen das Lebensrecht absprachen. Zwangssterilisationen und Eheverbote waren Teil einer erschreckenden Logik, die zur organisierten Tötung von psychisch Kranken, Menschen mit Beeinträchtigungen und sogenannten „Asozialen“ führte. Der Begriff „Euthanasie“, einst mit Sterbehilfe verbunden, wurde zum Euphemismus für diese grausamen Morde. Mehr als 500 Menschen aus Salzburg fielen diesen Verbrechen zum Opfer, darunter mindestens 14 Kinder.
Von der Theorie zur grausamen Praxis
Bereits ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Theorien entwickelt, die das Töten bestimmter Menschen legitimieren sollten. Karl Binding und Alfred E. Hoche brachten den Rentabilitätsgedanken ins Spiel und führten den Begriff „lebensunwert“ ein. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 begann dann die Verfolgung von „verwahrlosten Individuen“ und „Untermenschen“. Am 14. Juli 1933 wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ verabschiedet, ein düsteres Kapitel, das die Grundlage für die darauffolgenden Morde legte.
Die erste Exekution fand im Wald von Piasznicz statt, gefolgt von den grausamen Vergasungen in der Tötungsanstalt Hartheim, die im Mai 1940 begannen. Der erste Abtransport aus Salzburg erfolgte im Juni 1940 aus der Caritas-Anstalt St. Anton. Über die Jahre wurden aus der Landesheilanstalt Salzburg mehrere Transporte nach Hartheim überstellt, bis die Massenmordaktion am 24. August 1941 offiziell eingestellt wurde, inoffiziell jedoch weiterhin getötet wurde. Ein unvorstellbares Ausmaß an Grausamkeit, das bis heute nachhallt.
Um diesen Opfern zu gedenken, wurden Stolpersteine in Salzburg verlegt, und es fand bereits eine Ausstellung mit dem Titel „LEBENS(UN)WERT“ statt, die ihre Geschichten ehrte. Diese neue inklusive Ausstellung ist nicht nur eine Mahnung, sondern auch ein Aufruf, die Vergangenheit nicht zu vergessen und aktiv gegen das Vergessen anzukämpfen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Schrecken der NS-Zeit aufzuarbeiten und das Bewusstsein für die Themen Menschlichkeit und Respekt zu schärfen.
