Zukunftsvisionen und Machtspiele: Die Salzburger Festspiele im Umbruch
Heute, am 4. Juli 2026, dreht sich in Salzburg alles um die Zukunft der Salzburger Festspiele. Die letzten Monate waren turbulent, das kann man wohl sagen. Karin Bergmann, die erste Frau in der künstlerischen Leitung, hat mit aller Kraft die Wachablöse im Festival eingeleitet. Nach einem Jahr der Zusammenarbeit mit der früheren Schauspielchefin Marina Davydova ist nun Schluss. Die Trennung wurde Ende 2024 beschlossen, und jetzt geht es ans Eingemachte: Ein transparentes Auswahlverfahren für die Nachfolge wurde gefordert.
Bereits 23 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich um die künstlerische Leitung beworben. Sechs von ihnen wurden zu einem Hearing eingeladen, wobei am Ende nur fünf erschienen. Es ist schon ein bisschen verrückt, wie die Medien hier über die Hintergründe spekulieren. Markus Hinterhäuser, der ehemalige Intendant, wurde als Favorit bezeichnet, obwohl er nicht am Auswahlverfahren teilgenommen hat. Das hat das Kuratorium, das aus Fördergebern wie Bund, Land und Stadt Salzburg besteht, nicht gerade erfreut. Chaotische Sitzungen und unüberbrückbare Differenzen zwischen Hinterhäuser und dem Kuratorium führten schließlich zu einer Trennung.
Ein Blick auf Marina Davydova
Marina Davydova, eine beeindruckende Persönlichkeit in der Theaterlandschaft, ist Festivalleiterin, Theatermacherin und Berufskritikerin. Ursprünglich aus Baku, Aserbaidschan, hat sie in Moskau Theaterwissenschaft studiert und sich schnell einen Namen gemacht. Ihre Karriere umfasst nicht nur die Leitung des Moskauer Net-Festivals, sondern auch eine spannende Zeit als Programmdirektorin bei den Wiener Festwochen 2016. Ihr Engagement in der Theaterwelt ist unermüdlich, und sie hat maßgeblich an den Schauspielprogrammen der Salzburger Festspiele für 2024 und 2025 mitgewirkt.
Doch Davydova ist nicht nur eine kreative Kraft, sondern auch eine Stimme des Wandels. Im März 2022 verließ sie Russland, um sich einer antimilitaristischen Petition anzuschließen, und ihre Installation „Museum of the Uncounted Voices“ feierte im Mai 2023 Premiere bei den Wiener Festwochen. Es ist beeindruckend, wie ihre Arbeiten zahlreiche Festivals erreicht haben und wie sie mit ihrem Stück „Land of No Return“ internationale Beachtung fand.
Die Rolle des Kuratoriums
Das Kuratorium der Salzburger Festspiele, unter dem Vorsitz von Kristina Hammer, ist in dieser Zeit besonders gefordert. Mit einem Amtsantritt, der erst am 1. Jänner 2022 begann, hat sie die Verantwortung übernommen, die Geschicke des bedeutendsten Klassikfestivals der Welt zu lenken. Unter ihrem Einfluss und dem der Fördergeber soll nun die Neubesetzung der künstlerischen Leitung vorbereitet werden. Die Festspiele, die seit ihrer Gründung im Jahr 1920 von Größen wie Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss geprägt sind, haben jährlich mehr als 200 Veranstaltungen und ziehen rund 270.000 Besucher an.
Das alles geschieht bei einem Festival, das für seine künstlerische Qualität und seine historische Bedeutung bekannt ist. Die Herausforderungen, die sich aus dieser neuen Führung ergeben, sind zahlreich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und wer letztendlich die künstlerische Leitung übernehmen wird. In Salzburg, wo die Tradition auf Innovation trifft, sind die nächsten Schritte entscheidend für die Zukunft.
