Heute ist der 25.05.2026 und die Pfingstfestspiele in Salzburg haben wieder ein ganz besonderes Ereignis zu bieten. Die Compagnia Marionettistica Carlo Colla & Figli aus Mailand hat mit ihrer Inszenierung von Monteverdis Oper „Il ritorno d’Ulisse in patria“ das Haus für Mozart zum Leben erweckt. Hier wird nicht nur die Rückkehr des Odysseus nach Ithaka erzählt, sondern auch die komplexen Beziehungen zwischen den Göttern und den Menschen stehen im Mittelpunkt. Neptun, der Gott des Meeres, zeigt sich dabei als wahrhaft unbarmherziger Akteur, der Odysseus mit schroffen Methoden bestraft.

Ein besonders einprägsames Bild der Inszenierung ist Odysseus, der durch die Göttin Minerva in einen alten Bettler verwandelt wird. Das geschieht, um ihn vor den machthungrigen Freiern seiner Frau Penelope zu schützen. Und während das Publikum gebannt zusieht, wird Telemach, Odysseus‘ Sohn, aus Sparta herbeigeholt und kann kaum glauben, welch Fähigkeiten sein Vater hat – das ist alles andere als alltäglich!

Eine kunstvolle Inszenierung

Die Puppen, hervorragend ausgestattet von Maria Grazia Citterio und Cecilia Di Marco, sind das Herzstück dieser Aufführung. Sie agieren mit einer Vielzahl an Gesten und Emotionen, was beim Publikum sowohl Bewunderung als auch eine gewisse Müdigkeit hervorrief. Es ist schon erstaunlich, wie sehr die Puppen durch die detailverliebte Arbeit lebendig erscheinen. Regisseur Franco Citterio hat zusammen mit Giovanni Schiavolin die Puppen oft in die Rolle von Chorleitern versetzt – ein kreativer Kniff, der die Verbindung zwischen den Charakteren und den Zuschauern stärkt.

Musikalisch begleitet wurde die Aufführung von Les Musiciens du Prince – Monaco unter der Leitung von Gianluca Capuano. Die Stimmen der Sänger, darunter Vito Priante als Ulisse und Sara Mingardo als Penelope, waren zwar gut hörbar, aber – und das ist ein kleiner Wermutstropfen – nicht sichtbar. Ein interessanter, wenn auch etwas frustrierender Aspekt dieser Inszenierung. Monteverdi hat mit seiner Musik eine lebendige Charakterisierung geschaffen, die durch das Libretto von Giacomo Badoaro, das Philosophie und Götterlehre vereint, perfekt ergänzt wird.

Ein überdimensionales „Papiertheater“

Das Bühnenbild, ein überdimensionales „Papiertheater“ von Franco Citterio, trägt dazu bei, die märchenhafte Atmosphäre noch weiter zu unterstreichen. Die Kulissen sind einfach zauberhaft und transportieren die Zuschauer in eine andere Welt – eine Welt, in der Götter und Menschen in einem ständigen Wechselspiel stehen. Neptun, der das Schiff der Phäaken in Felsen verwandelt, um Odysseus zu bestrafen, ist dabei ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht und Willkür der Götter.

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In dieser Inszenierung wird Penelope nicht nur als die treue Frau dargestellt, die 20 Jahre auf die Rückkehr ihres Mannes wartet, sondern sie erhält die gleiche Aufmerksamkeit wie Ulisse selbst. Monteverdi gelingt es, den Weg zur Wiedervereinigung des Paares mit wohlwollenden und feindlichen Göttern, treuen und untreuen Dienern sowie heuchlerischen Freiern zu beleuchten. Diese Facetten machen das Werk so vielschichtig und berührend.

Die Mailänder Marionettengesellschaft Colla bringt mit kreativer Erfindung und viel Leidenschaft ein Stück auf die Bühne, das weit über die bloße Aufführung einer Oper hinausgeht. Es ist eine Einladung in die Tiefen menschlicher Emotionen und die Macht der Götter, die auch heute noch, nach all den Jahrhunderten, nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.