Ursula Spannberger ist eine Architektin und Moderatorin, deren Engagement für Architektur und Baukultur in Salzburg nicht zu übersehen ist. Am 10. März 2023 erhielt sie das Stadtsiegel in Silber, eine Auszeichnung, die ihre Verdienste um die Partizipation in der Architektur würdigt. Seit 1990 ist sie selbstständig als Architektin tätig und hat in dieser Zeit über zwanzig Schulgebäude in Österreich, darunter die Volksschule Anif und den Schulcampus Radstadt, entworfen. Ihre Philosophie ist klar: Die Zusammenarbeit zwischen Architekten und zukünftigen Nutzern ist entscheidend für die Gestaltung lebendiger Räume.
Spannberger ist nicht nur Mitgründerin der Initiative Architektur Salzburg und der Architekturstiftung Österreich, sondern auch die Entwicklerin der RAUM.WERT-Methode. Diese innovative Methode zielt darauf ab, architektonische Laien bereits in der frühen Planungsphase (Phase 0) in den Prozess einzubinden. Dabei stehen die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer im Mittelpunkt, was nicht nur die räumlichen Qualitäten steigert, sondern auch immaterielle Faktoren wie sozialen Zusammenhalt und Umweltverträglichkeit berücksichtigt.
Einblicke in die RAUM.WERT-Methode
Der Prozess der RAUM.WERT-Methode dauert einige Wochen bis Monate und bezieht größere Gruppen von Teilnehmern ein – ab etwa 30 Personen. Durch verschiedene Beteiligungsstufen, wie Konsultation und Mitbestimmung, werden die unterschiedlichen Perspektiven und Ideen der Beteiligten erfasst. So entstehen nicht nur räumliche Qualitätenkataloge für Bildungsbauten und öffentliche Einrichtungen, sondern auch eine solide Grundlage für die weitere Planung.
Der Ablauf eines RAUM.WERT-Prozesses ist gut strukturiert. Er beginnt mit einer Auftragsklärung, gefolgt von Großgruppenworkshops, in denen die Bedürfnisse der Nutzer ermittelt werden. Diese Workshops sind eine Plattform, um Interessen zu bündeln und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Spannberger hat mit ihrer Methode bereits zahlreiche Projekte erfolgreich begleitet und damit zur Vermeidung dysfunktionaler Strukturen beigetragen.
Architektur im Kontext der Gesellschaft
In einer demokratischen Gesellschaft ist die aktive Teilhabe an Architektur und Städtebau unerlässlich. Die Gestaltung unserer Lebensräume beeinflusst nicht nur das persönliche Umfeld, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf den Klimawandel. Nachhaltige Räume sind vielseitig nutzbar und müssen flexibel auf sich wandelnde Anforderungen reagieren. Hierbei wird die intensive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Nutzer zur grundlegenden Voraussetzung für erfolgreiche Planungen.
Spannberger hat in ihren verschiedenen Funktionen, sei es als Vorsitzende des Fachbeirats Architektur des Landeskulturbeirats Salzburg oder als Mitglied des Gestaltungsbeirats der Stadt Salzburg, stets darauf geachtet, dass die Nutzer:innenbedürfnisse in der Planungsphase ermittelt werden. Ihre Projekte, wie das Toihaus-Theater oder das ICT&S Center der Universität Salzburg, sind Beispiele für Räume, die nicht nur funktional sind, sondern auch eine angenehme Atmosphäre schaffen.
Die Beteiligung der Nutzer ist der Schlüssel zur sozialen Nachhaltigkeit. Spannberger zeigt, dass partizipative Methoden nicht nur die Akzeptanz von Projekten fördern, sondern auch die Identifikation der Menschen mit ihrem Lebensraum stärken. Ihre Initiativen sind ein lebendiges Zeugnis dafür, dass Architektur mehr ist als nur der Bau von Gebäuden – es ist die Gestaltung von Lebensqualität für alle.