In den verwinkelten Gassen Salzburgs wird Geschichte lebendig, und zwar nicht nur in den alten Mauern und prunkvollen Gebäuden, sondern auch durch ein spannendes Projekt, das die Stadtgeschichte sichtbar macht. Seit 2015 werden an den Straßen, die nach Personen benannt sind, Erläuterungstafeln angebracht. Diese Initiative begann in der linken Altstadt und hat sich mittlerweile auf die rechte Altstadt sowie die Stadtteile Aigen, Riedenburg, Taxham und Schallmoos ausgeweitet. Was 2023 und 2024 besonders im Fokus steht, sind die Straßen mit „NS-belasteten Straßennamen“. Hier soll eine kritische Auseinandersetzung gefördert werden – schließlich ist es wichtig, die Schatten der Geschichte nicht zu ignorieren.

Bislang wurden bereits 220 von etwa 550 geplanten Tafeln umgesetzt. Aktuell werden diese in Lehen, Langwied und Sam montiert, während die Umsetzung in Maxglan und Morzg in Vorbereitung ist. Ein tolles Team aus verschiedenen Abteilungen der Stadt – vom Stadtarchiv über das Verkehrs- und Straßenrechtsamt bis hin zum Amt für Stadtplanung und Verkehr – unterstützt dieses wichtige Projekt. Das Ziel? Die Stadtgeschichte für alle erlebbar zu machen und zu zeigen, dass es wichtig ist, sich mit belasteten Namen auseinanderzusetzen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Straßenbenennung in Salzburg hat eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1800 zurückreicht, als die Stadt mit der Nummerierung der Häuser begann. Im Jahr 1873 folgte die systematische Durchnummerierung ganzer Straßenzüge. Erst im 19. Jahrhundert kam die Namensgebung von Straßen hinzu. Interessanterweise gab es 1935 eine Neubenennung, inspiriert von der bayerischen Landeshauptstadt München, begleitet von verschiedenen Gruppen, die Vorschläge für Namen einbrachten. Die Kriterien für die Namensvergabe sind dabei klar: Es muss eine direkte Beziehung zu Salzburg bestehen, Persönlichkeiten von überregionaler Bedeutung werden gewürdigt, lebende Personen sind tabu und Mehrfachbenennungen sollen vermieden werden.

Um der Geschichte gerecht zu werden, wird seit 2015 eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Straßenbenennungen nach NS-belasteten Personen betrieben. Der Gemeinderat hatte bereits 2013 den Auftrag erteilt, sich intensiv mit den Namensgebungen auseinanderzusetzen. Jährlich werden etwa 35 bis 40 neue Erläuterungstafeln angebracht. Diese Tafeln werden vorzugsweise an markanten Gebäuden im Straßenzug befestigt, insbesondere an städtischen, landes- oder bundesbesitzenden Objekten. Der digitale Stadtplan der Stadt Salzburg bietet zudem die Möglichkeit, Informationen über die Namensgebung von Verkehrsflächen abzurufen – einfach Straße oder Platz eingeben und mehr erfahren!

Ein Teil der Erinnerungskultur

Wie wichtig die Auseinandersetzung mit Straßennamen ist, zeigt sich nicht nur in Salzburg. Der Deutsche Städtetag hat kürzlich eine Handreichung zur Straßenbenennung veröffentlicht, die einen Kriterienkatalog enthält. Ziel ist es, einheitliche Entscheidungsgrundlagen für Straßenneubenennungen und -umbenennungen zu schaffen. Straßennamen sind schließlich Teil unserer Erinnerungskultur und spiegeln historisch-kulturelle sowie gesellschaftliche Verhältnisse wider. In den letzten Jahren gab es in vielen Städten hitzige Diskussionen über problematische Straßennamen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Benennung von Straßen ist eine Selbstverwaltungsaufgabe der Kommunen. Und da wird es spannend: Wo ziehen wir die Linie? Wenn sich das Geschichtsbild ändert oder neue Erkenntnisse über Personen ans Licht kommen, sind Umbenennungen durchaus möglich. Differenzierte historische Bewertungen sind dabei unerlässlich. Der Kriterienkatalog des Deutschen Städtetages hat sich intensiv mit der Thematik befasst und empfiehlt, bei der Benennung stärker auf historische Bezeichnungen und Frauen zu achten. Es ist ein laufender Prozess, der uns alle betrifft und zum Nachdenken anregt.

Die kommenden Quartiersdialoge, die vom Stadtarchiv vorbereitet werden und im Oktober stattfinden, werden sich auf das Andräviertel konzentrieren. Hier wird untersucht, wie historische Entwicklungen und Perspektiven der verschiedenen Stadtteile miteinander verwoben sind. Ein spannendes Unterfangen, das sicher interessante Einblicke in die Geschichte und Entwicklung Salzburgs geben wird. Man kann nur hoffen, dass viele Salzburger und Salzburgerinnen daran teilnehmen und sich mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandersetzen.