Die Zukunft der Kirche ist ein Thema, das viele bewegt, insbesondere in Zeiten des Wandels. Paul Zulehner, ein renommierter Wiener Pastoraltheologe, hat in einem aktuellen Interview seine Gedanken zur Transformation der Kirche dargelegt. Er sieht eine grundlegende Wende von einer Priesterkirche hin zu einer Kirche der Ehrenamtlichen. Diese Prognose ist nicht nur ein Blick in die Glaskugel, sondern auch ein Aufruf zur aktiven Mitgestaltung der kirchlichen Gemeinschaft.
Zulehner hebt hervor, dass die Anzahl der Priester auf dem freien Berufungsmarkt dramatisch gering ist. Ohne das Engagement von Ehrenamtlichen sei die Kirche bereits hilflos, und Laien hätten zu wenig Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Um die Kirche zukunftsfähig zu gestalten, fordert er eine „synodale Amtskultur“, die autoritäre Strukturen hinter sich lässt. Eine neue Qualität des Ehrenamts könnte dazu beitragen, positive Dynamik und Freude ins kirchliche Leben zu bringen.
Die Rolle der Ehrenamtlichen
Ehrenamtliche sind das Rückgrat der Kirche und tragen entscheidend zu ihrem Fortbestehen bei. Zulehner schlägt vor, Ehrenamtsakademien einzurichten, die professionell und strukturiert sein sollten. Eine Kultur der Anerkennung für die Ehrenamtlichen ist vonnöten, denn ein einfaches Dankeschön nach 50 Jahren Engagement ist nicht ausreichend. Jeder Mensch hat eine Rolle und Sendung in der Kirche, die es zu fördern gilt.
Ein Beispiel für die Unterstützung neuer Ehrenamtlicher ist die Startmappe, die den Einstieg ins Engagement erleichtert. Diese beinhaltet neben einer Vorstellung der Kirchengemeinde auch detaillierte Aufgabenbeschreibungen, wichtige Kontakte und Informationen zu Fortbildungen. Solche Maßnahmen sind essenziell, um das Ehrenamt zu stärken und den Freiwilligen eine klare Orientierung zu bieten.
Vom Lückenbüßer zur Gestalterrolle
Immer wieder wird das Ehrenamt in der Kirche als „Lückenbüßer“ wahrgenommen, was den vielen Freiwilligen nicht gerecht wird. Zulehner fordert eine „Ehrenamts-förderliche“ Kirche, um als „Berufungs- und Beteiligungskirche“ zu überleben. Dies kann nur gelingen, wenn Ehrenamtliche aktiv in Entscheidungsprozesse einbezogen werden und die Möglichkeit haben, ihre Stimme zu erheben. Die Struktur der Leitungsgremien ist hierbei wichtig: Ehrenamtliche und beruflich Tätige sollten geschwisterlich miteinander agieren, wobei die gewählten Leitungsgremien von der Gemeinde aus aufbauen.
Die Notwendigkeit für eine synodale Beteiligungskultur in der Kirche wird als entscheidend erachtet. Zulehner und sein Kollege Armin Haiderer haben darüber hinaus ein Buch mit dem Titel „… Weil es mir Freude macht“ veröffentlicht, das sich mit der Zukunft des Ehrenamts in der Kirche beschäftigt. Die Ergebnisse einer Studie zeigen, dass fast zwei Drittel der Befragten im deutschsprachigen Raum über eine Beendigung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgedacht haben. Die Gründe sind vielschichtig und reichen von familiären Belastungen bis hin zu Frustrationen innerhalb der Kirche.
Ein Blick nach vorn
Die Kirchen stehen vor einer Herausforderung, die nicht nur die Anzahl der Priester betrifft, sondern auch die finanzielle Situation. Zulehner betont, dass die Kirche sich von einer klerikalen Priesterkirche zu einer modernen Dienstleistungskirche wandeln muss. Der Umbau der kirchlichen Sozialgestalt wird unumgänglich sein. Um dies zu erreichen, sind große Anstrengungen und persönliches Engagement gefragt.
Eine positive Zukunft der Kirche hängt stark von der Entwicklung des Ehrenamts ab. Es gilt, klare Strukturen zu schaffen, Fortbildungsmöglichkeiten anzubieten und eine echte Wertschätzung für die Ehrenamtlichen zu etablieren. Die Kirche muss sich öffnen und den Menschen die Möglichkeit geben, aktiv zu partizipieren. Nur so kann sie als lebendige Gemeinschaft bestehen und den Herausforderungen der Zukunft begegnen.
Für weiterführende Informationen zu den Themen Ehrenamt und kirchliche Strukturen besuchen Sie die Seiten von katholisch.de, akd-ekbo.de und katholisch.at.