In der schillernden Welt des Figurentheaters hat Christoph Bochdansky einmal mehr seine kreative Handschrift hinterlassen. Am Montag feierte sein neues Solo „Die Blumen des Wolfs“ Premiere im Wiener Schubert Theater. Die 70-minütige Aufführung entführt die Zuschauer in einen magischen Zauberwald, wo grüne Stoffe die Bühne in ein faszinierendes Reich verwandeln, bevölkert von fantastischen Geschöpfen. Dieses Stück ist kein gewöhnliches Theater; es ist eine Reise in die Tiefen der menschlichen Identität, durchzogen von grotesk-absurdem Humor und einer Prise Melancholie.
Bochdansky, ein Meister seines Fachs, steht hier nicht nur als Puppenspieler im Mittelpunkt, sondern auch als tragischer Held, der mit geheimnisvollen Apparaturen die Fantasiewesen zum Leben erweckt. Unter den vielen Kreaturen, die den Wald bevölkern, diskutieren zwei übergewichtige grüne Insekten über Themen wie „Der Wald ist voll“ und „Love and Peace“. Ein wenig schräg, aber genau das macht den Reiz dieser Inszenierung aus. Wer hätte gedacht, dass der Wolf, der hier eine zentrale Rolle spielt, ein Blumenfreund und Musikliebhaber ist? Eine ganz andere Interpretation als die grimmigen Erzählungen der Gebrüder Grimm!
Ein Meister seines Handwerks
Christoph Bochdansky wurde 1960 in Tulln geboren und ist in Vorarlberg aufgewachsen. Mit einem Studium in Bühnenbild am Mozarteum in Salzburg und dem Abschluss am Figurentheater-Kolleg in Bochum hat er sich eine solide Basis für seine künstlerische Karriere geschaffen. Von Anfang an war es sein Ziel, eigene Stücke zu kreieren, die nicht nur in Österreich, sondern auch international große Beachtung finden. Seine Produktionen sind oft geprägt von einem scharfen Blick für das Groteske und Absurde, was sich auch in „Die Blumen des Wolfs“ widerspiegelt.
Bochdansky hat im Laufe der Jahre mit vielen renommierten Puppenbühnen zusammengearbeitet, unter anderem mit dem Figurentheater LILARUM und dem Figurentheater Wilde & Vogel. Seine Werke, wie „Ich habe gerade eine Frau gegessen“ oder „Kasperl – dieser Mann ist eine Fälschung“, sind in der Szene für ihren einzigartigen Stil bekannt. Zudem war er als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen tätig und hat somit sein Wissen an die nächste Generation von Puppenspielern weitergegeben.
Ein Blick auf das Figurentheater
Das Figurentheater hat eine jahrtausendealte Geschichte und ist in vielen Kulturen der Welt verwurzelt. Ob in China, wo die Peking-Oper auf Puppenbühnen gespielt wird, oder in Japan, wo mehrere Spieler benötigt werden, um eine mannsgroße Puppe zu bewegen – Puppen erzählen Geschichten, die oft tiefere Wahrheiten über die menschliche Existenz reflektieren. In Deutschland ist die „Augsburger Puppenkiste“ legendär, und auch hierzulande erfreut sich das Figurentheater großer Beliebtheit. Jährlich finden zahlreiche Festivals statt, die das kreative Schaffen der Puppenspieler würdigen.
Bochdansky stellt mit „Die Blumen des Wolfs“ nicht nur seine persönliche künstlerische Vision in den Vordergrund, sondern greift auch aktuelle Themen auf, die Fragen zur zeitgemäßen Rolle von Märchenfiguren aufwerfen. Am Ende der Vorstellung stehen Fragen im Raum: Wie passt „If you’re going to San Francisco“ zu „Born to be wild“? Was bedeutet es heute, Rotkäppchen zu sein? Und welches Schicksal erwartet den Wolf? Das Publikum wird zum Nachdenken angeregt und verlässt den Zauberwald mit mehr Fragen als Antworten.
Die nächsten Aufführungen im Schubert Theater stehen am 13., 14., 22., 23. und 26. Juni an. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diesen magischen Abend nicht entgehen lassen. Es wird ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt – ein Stück voller Phantasie, das uns die Augen für die vielen Facetten des Lebens öffnet.
