Der Secret Service sieht sich nach einem vereitelten Angriff während eines Gala-Dinners in Washington heftiger Kritik ausgesetzt. Ein bewaffneter Schütze aus Kalifornien schaffte es, die Sicherheitskontrollen zu umgehen, indem er sich als regulärer Gast im Hotel einmietete. Die Evakuierung der anwesenden Regierungsmitglieder verlief dabei alles andere als reibungslos. Während US-Präsident Donald Trump nach etwa 30 Sekunden von der Bühne gebracht wurde, benötigten einige Minister rund 150 Sekunden, um den Saal zu verlassen. In einem Manifest äußerte der Schütze Verwunderung über die laxen Sicherheitsvorkehrungen, was die Diskussion über die Effektivität des Personenschutzes neu entfachte.
Trump selbst nutzte den Vorfall, um sich in der politischen Arena als Zielscheibe seiner Gegner zu stilisieren. In sozialen Medien verglich er sich mit Abraham Lincoln und argumentierte, dass seine politischen Erfolge ihn gefährdet hätten. Er erwähnte zudem einen geplanten, 400 Millionen Dollar teuren Ballsaal, der mit Sicherheitsmerkmalen wie einem Bunker und kugelsicherem Glas ausgestattet sein sollte. Republikanische Verbündete kündigten an, Gesetzesinitiativen zur Durchsetzung des gestoppten Bauprojekts einzubringen, nachdem ein Bundesrichter einen Baustopp für den Ballsaal angeordnet hatte.
Sicherheitsvorkehrungen und Chaos im Ballsaal
Der Vorfall ereignete sich beim Jahresdinner der Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten, bei dem auch hochrangige Regierungsmitglieder anwesend waren. Ein bewaffneter Mann mit Schrotflinte, Pistole und mehreren Messern drang bis in ein Stockwerk über dem Ballsaal des Washington Hilton vor. Anwesend waren unter anderem Trump, Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, insgesamt rund 2.600 Gäste. Der Angreifer schoss auf einen Beamten des Secret Service, bevor er überwältigt und festgenommen wurde. Der Polizeichef von Washington, Jeffrey Carroll, bestätigte, dass der Verdächtige ein Hotelgast war.
Der festgenommene Cole Tomas Allen aus Torrance, Kalifornien, gab an, es auf Vertreter der Trump-Regierung abgesehen zu haben. Während des Angriffs herrschte Chaos im Ballsaal: Sicherheitsleute kletterten über Tische, Gäste warfen sich zu Boden, und einige Kabinettsmitglieder wurden hastig von der Bühne geführt. Auch die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, erklärte, dass es keine Hinweise auf weitere Beteiligte gebe, was die Situation zusätzlich verunsicherte.
Der umstrittene Bau des neuen Ballsaals
Im Nachgang des Vorfalls wird der geplante neue Ballsaal, der als Hülle für einen unterirdischen Sicherheitskomplex dienen soll, erneut in den Fokus gerückt. Präsident Trump bestätigte an Bord der Air Force One, dass die Arbeiten am Bau gut vorankommen und sogar vor dem Zeitplan liegen. Ursprünglich auf 400 Millionen Dollar geschätzt, hat sich das Budget des Projekts inzwischen verdoppelt. Der Ostflügel des Weißen Hauses wurde bereits abgerissen, um Platz für den neuen Ballsaal zu schaffen, der Platz für rund 1.000 Gäste bieten soll. Alle Fenster des Ballsaals sind kugelsicher und das Interieur wird mit Gold, Marmor, Stuck und üppigen Lüstern ausgestattet.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch umfangreiche Spenden aus der Privatwirtschaft, was in der Opposition im Kongress auf scharfe Kritik stößt. Zudem wird der Bau von Denkmalschutz-Organisationen scharf kritisiert, die nicht in die Planungen einbezogen wurden. Eine „dumme Klage“ hatte Informationen über das Projekt an die Öffentlichkeit gebracht, und die Opposition wirft Trump Verschwendung von Steuergeldern vor.
Internationale Reaktionen und Ausblick
Der Vorfall hat nicht nur in den USA, sondern auch international für Aufsehen gesorgt. Führende Politiker wie der kanadische Premier Mark Carney und die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum verurteilten den Angriff, während Australiens Premier Anthony Albanese die schnellen Reaktionen der Sicherheitskräfte lobte. Der britische Botschafter Christian Turner dankte dem Secret Service für ihren Einsatz. In Anbetracht der jüngsten Ereignisse und weniger als zwei Jahre nach zwei Anschlagsversuchen auf Trump im Wahlkampf 2024 bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen dies auf die Sicherheitspolitik der USA haben wird und ob es Versäumnisse der Sicherheitsbehörden gegeben hat.