100 Jahre Ingeborg Bachmann: Klagenfurt feiert die Diva der Dichtkunst
Am Donnerstagnachmittag war Klagenfurt der Schauplatz eines bunten Straßenfestes, das den 100. Geburtstag der herausragenden Ingeborg Bachmann feierte. Die Henselstraße, vor dem ehemaligen Wohnhaus der Dichterin, verwandelte sich in ein lebhaftes Festgelände. Übrigens, dieses Haus, in dem Bachmann von 1933 bis 1945 lebte, wurde 2021 von Land und Stadt angekauft und 2022 als Museum eröffnet – ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens. Hier stehen nicht nur ihre Manuskripte und Fotos, sondern auch persönliche Gegenstände wie Kleider und Schreibmaschinen, die einen direkten Bezug zur Künstlerin herstellen.
Heinz Bachmann, der 87-jährige Bruder der Schriftstellerin, ließ es sich nicht nehmen, eine Strophe aus dem Gedicht „An die Sonne“ vorzutragen. Dabei erinnerte er sich an den bewegenden Abschied von Ingeborg vor 53 Jahren. „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“, zitierte er sie aus ihren Frankfurter Vorlesungen und betonte die immense Bedeutung der Sprache in ihrem Werk. Es war ein feierlicher Moment, umgeben von Menschen, die sich für die Literatur und insbesondere für die Errungenschaften der Schriftstellerin begeistern.
Ein Fest für die Literatur
Bürgermeister Christian Scheider bekräftigte das Bekenntnis zur Fortführung des Ingeborg-Bachmann-Preises, der seit 50 Jahren eine wichtige Auszeichnung in der Literaturszene darstellt. Die Veranstaltung war das dritte ihrer Art, nach einem ersten Fest 2024 zur Projektvorstellung und einem zweiten Fest zur Eröffnung im Vorjahr. Die literarisch-performative Gestaltung übernahmen Sarah Rebecca Kühl, Markus Achatz, Sabine Kristof-Kranzelbinder und Michael Kristof-Kranzelbinder. Musikalisch untermalt wurde das Fest von Akkordeonist Aleksander Ipavec, der mit seinen Klängen das Publikum in seinen Bann zog.
Ingeborg Bachmann, die als Diva der Dichtkunst gilt, hinterließ ein gewichtiges literarisches Erbe. Ihre frühen Interessen für Literatur wurden stark durch den Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs geprägt. Während der Bombardierung Klagenfurts las sie 1944 im Garten ihrer Familie. Ein Zitat von ihr bleibt im Gedächtnis: „Ich existiere nur, wenn ich schreibe, wenn ich nicht schreibe, bin ich nichts.“ So kämpfte sie sich in einer von Männern dominierten Literaturszene der 1950er Jahre durch und etablierte sich mit Werken wie dem Roman „Malina“ und zahlreichen Gedichten.
Ein Blick auf die Feierlichkeiten
Die Festlichkeiten sind eine Hommage an die Schriftstellerin, die nicht nur für ihre literarischen Leistungen bekannt ist, sondern auch für ihre intensiven und dramatischen Liebesbeziehungen, unter anderem mit Paul Celan und Max Frisch. Im Rahmen des Jubiläums präsentierten 14 Autorinnen und Autoren unveröffentlichte Texte, während die Jurydiskussionen für hitzige Debatten bekannt sind – eine Art „Casting-Show der Literatur“, die trotz aller Konkurrenz von einer Atmosphäre der Unterstützung geprägt ist.
Die Stadt Klagenfurt hat 1973 den ersten Ingeborg-Bachmann-Preis gestiftet. Und ab 2023 erhalten die Gewinner des Preises eine beeindruckende Skulptur von Helmut Machhammer – ein weiteres Zeichen der Wertschätzung für die literarische Leistung. Cécile Schortmann moderierte das Rahmenprogramm „Literatur im Garten“, ein Ort des Austauschs und der Begegnung.
Eine bedeutende Autorin
Ingeborg Bachmann, geboren am 25. Juni 1926 in Klagenfurt, gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Themen sind vielschichtig und reichen von der Rolle der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft bis zu den Auswirkungen von Krieg und Frieden. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik in Innsbruck, Graz und Wien und schloss mit einer Promotion ab. Ihr literarischer Durchbruch kam 1952 bei einer Lesung der „Gruppe 47“ und die Auszeichnungen und Ehrungen folgten. Bis zu ihrem viel zu frühen Tod im Jahr 1973 in Rom hinterließ sie ein bleibendes Erbe, das auch heute noch viele inspiriert.
Das Straßenfest in Klagenfurt war nicht nur ein feierlicher Anlass, sondern auch eine tiefgreifende Reflexion über das Leben und Werk von Ingeborg Bachmann – eine Frau, die mit ihren Worten die Welt veränderte.
