Heute ist der 20.05.2026 und wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation der ganztägigen Schulformen in Österreich. Ein Thema, das nicht nur Eltern beschäftigt, sondern auch die Politik auf den Plan ruft. Die Grüne Sigrid Maurer hat den Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) zum Thema gefragt: Wie schaut’s denn aus mit dem Ausbau der Ganztagsschulen? Das Ergebnis ist ernüchternd. Im Durchschnitt besuchen noch immer die meisten Kinder in Österreich Halbtagsschulen. Nur 33,7% der Schüler:innen an Volks- und Mittelschulen sowie AHS-Unterstufen haben im laufenden Schuljahr Zugang zu ganztägiger Betreuung. Und echte Ganztagsschulen? Na ja, da sind wir bei mageren 8,1% angelangt, wo Unterricht sich mit Freizeit abwechselt – also wirklich nicht viel!
Schaut man genauer hin, merkt man schnell, dass es regionale Unterschiede gibt. In Wien ist die Ganztagesbetreuung mit 56,6% der Pflichtschüler:innen ziemlich gut aufgestellt. Ganz anders verhält sich die Lage in Tirol, wo die Betreuungsquote gerade einmal bei 18,75% liegt. Das ist schon eine echte Herausforderung, denn die Zahl der „echten“ Ganztagsschulen ist in Österreich eine absolute Minderheit. In den letzten Jahren gab es nur 37 neue Standorte, und aktuell sind es 252 „echte“ Ganztagsschulen, wovon 134 in Wien zu finden sind.
Politische Versäumnisse und ihre Folgen
Die Grünen-Politikerin Zeliha Arslan sieht die niedrigen Geburtenraten und die mangelhafte Infrastruktur als politische Versäumnisse. Sie kritisiert die ÖVP für das Fehlen von Angeboten, die Eltern eine Vollzeitarbeit ermöglichen würden. Arslan ist mit ihrem Anliegen nicht allein. Auch Birgit Obermüller von den Neos bringt die Probleme auf den Punkt: Die kleinteilige Schulstruktur in Tirol, die Qualitätsprobleme beim Freizeitpersonal sowie die fehlende Infrastruktur sind allesamt Gründe für die niedrige Nachmittagsbetreuungsquote. Außerdem haben Gemeinden offenbar keinen großen Anreiz, sich für den Ausbau zu engagieren, und das Vertrauen in die Qualität der Angebote scheint nicht gerade hoch zu sein.
Es gibt noch eine weitere Hürde: Viele Schulgebäude sind schlichtweg nicht für verschränkte Ganztagsschulen geeignet. Doch wie sieht die Realität für die Schüler:innen und Erziehungsberechtigten aus? Ganztägige Schulformen kommen in verschiedenen Ausprägungen daher, wie schulische Tagesbetreuung, Nachmittagsbetreuung oder auch offene Tagesbetreuung. Das Angebot ist also vielfältig, könnte aber noch viel besser ausgebaut werden.
Qualitätskriterien und Förderungen
Für die Betreuung an ganztägig geführten Schulen gibt es festgelegte Qualitätskriterien im Lehrplan, und das Betreuungspersonal muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Informationen hierzu sind für Schulerhalter auf der Webseite des Bildungsministeriums zu finden. Wer Fragen dazu hat oder Förderungen in Anspruch nehmen möchte, kann sich unter gts@bmb.gv.at direkt an die zuständigen Stellen wenden.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Diskussion über Ganztagsschulen in Österreich noch lange nicht zu Ende ist. Es sind viele Schritte nötig, um das Angebot flächendeckend zu verbessern und Eltern sowie Kindern die nötige Unterstützung zu bieten. Und während die Politik darüber debattiert, bleibt den Eltern oft nichts anderes übrig, als sich selbst um die Betreuung ihrer Kinder zu kümmern – ein Dilemma, das wir alle nur zu gut kennen.